Sexualität und Medien

1 Jugend und Pornografie

Im Jugendalter ist ein gesteigertes Interesse an sexuellen Themen groß. Das körperliche Erscheinungsbild wandelt sich, der Hormonhaushalt verändert sich und damit einhergehend treten psychische und soziale Anforderungen auf, die Jugendliche vor neue - bisher unbekannte - Herausforderung stellen. Die Herausbildung einer sexuellen Identität stellt eine lebenslange Aufgabe dar, die jedoch in der Jugendphase mit vielen Ungewissheiten und Fragen verbunden ist. "Ob Liebesbeziehungen, die Auseinandersetzung mit gleichgeschlechtlichen Orientierungen oder die Unsicherheit rund um die ersten sexuellen Erfahrungen - Jugendliche erleben in dieser Zeit viele ´erste Male`" (Kimmel u.a. 2011, S. 19). Dabei sind sie angewiesen auf Orientierungshilfen, die sie nicht nur in ihrem familiären oder schulischen Umfeld finden, sondern die ebenfalls durch Medien bereitgestellt werden. Das Thema Sexualität ist in den Medien allgegenwärtig. Hier finden Jugendliche neben einer Fülle von Informationen über Sexualität sowohl Beratungsangebote als auch konkrete Darstellungen von Sexualität in Form von pornografischen oder erotischen Fotos oder Videos, die sie leicht zugänglich und anonym nutzen können.

1.1 Begriffsbestimmung

Eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs Pornografie liegt bis heute nicht vor. In der Literatur finden sich zahlreiche wertende Definitionen, die an negativ konnotierte ästhetische und/oder ethisch/moralische Bewertungskriterien sowie an negative Annahmen über die Wirkung von Pornografie gekoppelt sind. Dem gegenüber stehen beschreibende Definitionen, die eine Darstellung des Gegenstandsbereichs ohne jegliche Wertung vornehmen. Da explizite Wirkungen von Pornografie auf Jugendliche bisher nicht nachgewiesen werden konnten und sich wertende Definitionen somit vorrangig auf Befürchtungen, als auf fundierte Studienergebnisse beziehen, wird im Folgenden die häufig zitierte beschreibende Definition von Zillmann dargestellt, die Pornografie auf Basis sachlicher Kriterien bestimmt. Nach Zillmann bezeichnet der Begriff Pornografie mediale „Darstellungen sexuellen Verhaltens jeglicher Art, das von jeder denkbaren Zusammensetzung handelnder Akteure ausgeführt wird (Hervorheb. im Original)“ (Zillmann 2004, S. 568). Dabei steht der „Geschlechtsverkehr zwischen Menschen als angezielte Verhaltensweise“ (ebd. S. 569) im Mittelpunkt. Bei der in Pornografie dargestellten Sexualität handelt es sich jedoch nicht um ein Abbild „normaler“ Sexualität, sondern um eine genretypisch medial inszenierte Sexualität.

1.2 Rechtliche Aspekte

Rechtliche Aspekte zur Nutzung, Verbreitung und zum Besitz von Pornografie können im Strafgesetzbuch sowie - in Bezug auf Jugendliche - im Jugendschutzgesetz und im Jugendmedienschutzstaatsvertrag nachgeschlagen werden. Im deutschen Gesetz wird zwischen einfacher und harter Pornografie (§ 184 StGB) unterschieden. Einfache Pornografie ist ausschließlich Erwachsenen vorbehalten. § 184 StGB stellt das Verbreiten von einfacher Pornografie an Minderjährige unter Strafe. Nach dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag sind pornografische Internetangebote somit nur zulässig, „wenn von Seiten des Anbieters sichergestellt ist, dass sie nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden (geschlossene Benutzergruppe)“ (Jugendmedienschutzstaatsvertrag § 4 Abs. 2 / S. 8). Bei harter Pornografie (Kinder- und Jugendpornografie, Gewaltpornografie, Tierpornografie) handelt es sich um illegale Inhalte, deren Produktion und Verbreitung – sowie bei Kinder- und Jugendpornografie auch deren Besitz – strafbar ist. ´Harte` Pornografie darf nach unseren gesetzlichen Regelungen nicht über das Internet verbreitet werden.

Aufgrund unterschiedlicher nationaler Gesetze ist die Realität jedoch eine andere. Zugangshürden in Form von einer Altersverifikation per Mausklick können einfach übergangen werden, so dass Jugendliche auf eine Fülle von Pornoclips zugreifen können. Bezüglich illegaler Pornografie konnte Altstötter-Gleich in einer Studie feststellen, dass ein Teil der Jugendlichen bereits mit derartigen Angeboten, die per Gesetz generell verborten sind, in Kontakt gekommen ist (vgl. Altstötter-Gleich 2006, S. 21ff.).

1.3 Internetpornografie

Pornografie findet sich im Internet einerseits auf zugangsbeschränkten und kostenpflichtigen Portalen, andererseits auf Filehoster-Seiten oder auf frei zugänglichen (bzw. auf ausschließlich durch eine Altersverifikation per Mausklick beschränkten) und kostenlosen Onlinepornoportalen.

Bezüglich der verschiedenen Arten legaler Internetpornografie kann festgestellt werden, dass innerhalb des Genres Pornografie extreme inhaltliche Unterschiede bestehen. Auf den einschlägigen kostenlosen Pornografie-Portalen im Internet findet sich überwiegend die an heterosexuelle Männer adressierte Mainstream-Pornografie, die sich auf die sexuelle Befriedigung von Männern fokussiert. Dieses spiegelt sich anhand der Inhalte wieder. "So sind die Darstellerinnen meist um ein Vielfaches attraktiver als die Darsteller, wird der weibliche Körper umfassend in Szene gesetzt, während der männliche oft kaum im Bild ist, gehören (Pseudo-)Lesben-Szenen zum Standard, während Schwulen-Szenen Tabu sind, stehen ausgiebigen Fellatio-Praktiken allenfalls kurze Cunnilingus-Episoden gegenüber" (Döring 2011, S. 23f.). Hinsichtlich der gezeigten Orgasmen konnte eine australische Studie feststellen, dass Orgasmen von Männern in Mainstreampornografie signifikant öfter gezeigt werden als die von Frauen" (McKee u.a. 2008, S. 65).

Das Feld der Non-Mainstream Pornografie wird von Döring in die Bereiche Feministische bzw. Frauen-Pornografie (Fem Porn), Queer Porn und Amateur-Pornografie eingeteilt (vgl. Döring 2011, S. 233). Im Mittelpunkt von Frauen-Pornografie steht die sexuelle Befriedigung weiblicher heterosexueller Zuschauer. Zu den typischen Merkmalen dieses Subgenres gehört die sexpositive Darstellung von weiblicher Lust und das Aufzeigen von Sexualpraktiken die Frauen als besonders lustvoll empfinden (vgl. Döring 2011, S. 233). Im Gegensatz zur Mainstream-Pornografie werden hier vielfältige sexuelle Ausdrucksweisen gezeigt, die "in überwiegend dezenter assoziativer Darstellungsweise explizit detailliert sind" (Rückert 2000, S. 273). Darüber hinaus sind Frauen nicht nur als Darstellerinnen, sondern auch als Drehbuchautorinnen, Produzentinnen, etc. an der Produktion beteiligt. Die Subgattung Queer Porn "wird meist von und für Menschen mit gleichgeschlechtlichem Begehren und /oder Geschlechtsidentitäten jenseits des traditionellen binären Geschlechtermodells produziert" (Döring 2011, S. 233) und zeigt hauptsächlich homo- und bisexuelle Skripte. Amateur-Pornografie wird von Laiendarstellern, z. B. von Paaren in deren häuslichem Umfeld produziert und im Internet veröffentlicht. Hier muss jedoch berücksichtigt werden, dass viele Produktionsfirmen ihre Filme absichtlich unprofessionell produzieren, um so beim Zuschauer den Eindruck zu vermitteln, es handele sich um Amateur-Pornografie.

Während Mainstream- und Amateur-Pornografie auf den großen Internetpornoportalen überwiegend kostenlos zugänglich sind, finden sich Femporn und Queerporn eher auf kostenpflichtigen Internetseiten.

Wird über den Konsum von Pornografie durch Jugendliche diskutiert, steht die kostenlos verfügbare Mainstream-Pornografie der großen Onlinepornoportale im Zentrum der Kritik, da diese von Jugendlichen am häufigsten genutzt wird. Onlinepornografie ist - wie bereits dargestellt - somit inhaltlich sehr vielfältig und kann sich je nach Subgattung extrem unterscheiden. Pauschale Vorurteile, wie z. B. Pornografie zeige Sex in Verbindung mit Gewalt, greifen somit zu kurz. In Bezug auf die Arbeit mit Jugendlichen zum Thema Pornografie "muss dies auch ausdrücklich berücksichtigt werden, wenn es um die Vielfalt der Nutzungsweisen und ihre mehr oder minder kompetente Ausgestaltung geht" (Döring 2011, S. 234).

1.4 Jugend und Pornografie – zentrale Studienergebnisse

Im Folgenden werden die Studienergebnisse zu den Häufigkeiten der Nutzung von Pornografie, den Nutzungsmotiven und der Wahrnehmung von Pornografie durch Jugendliche vorgestellt.

1.4.1 Nutzungshäufigkeit

Im Internet finden sich zahlreiche pornografische Angebote, die ohne ernst zu nehmende Alterskontrolle für Minderjährige verfügbar sind. Die repräsentative BRAVO Dr.-Sommer-Studie Liebe! Körper! Sexualität!  (n=1228 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren)  aus dem Jahr 2009 konnte feststellen, dass  69 % der befragten Jungen und 57 % der Mädchen pornografische Bilder und Filme gesehen haben (Hierbei wurde jedoch Pornografie nicht explizit definiert bzw. speziell nach Internetpornografie gefragt). Bei den Befragten ab 13 Jahren steigt der Pornografiekonsum deutlich an (vgl. S. 96). Auf einen Anstieg des Pornografiekonsums mit zunehmendem Alter weist eine Onlinebefragung von Weber und Daschmann (2010) hin. Hier wurden Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren zu ihrem Pornografiekonsum befragt.  Mit 61% der weiblichen und 93% der männlichen Befragten ist der Anteil der Jugendlichen, die angeben Pornografie zu konsumieren, in der Befragung von Weber/Daschmann etwas höher, als in der BRAVO-Studie (vgl. 2010, S. 174). Generell lässt sich feststellen, dass ein großer Teil der Jugendlichen Pornografie kennt und bereits auch gezielt rezipiert hat.

Die Studienergebnisse zur ungewollten Konfrontation mit Pornografie unterscheiden sich in den verschiedenen Untersuchungen stark. Beispielsweise konnte eine Studie von Flood und Hamilton (2003) feststellen, dass 84% der befragten Jungen und 60% der weiblichen Befragten (n= 200 Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren) bereits ungewollt auf einer pornografischen Seite gelandet sind (vgl. Flood und Hamilton 2003, S.19).

Im Rahmen einer Untersuchung von Braun-Courville und Rojas (2009) gaben 46,3% der Befragen (N= 433 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 12 und 22 Jahren) an, zufällig auf Pornografie getroffen zu sein (accidental exposure) (vgl. Braun-Courville und Rojas 2009, S. 159).

1.4.2 Welche pornografischen Inhalte kennen Jugendliche?

Eine Studie von Altstötter-Gleich beschäftigt sich mit genau dieser Frage. Zwar sind die Studienergebnisse aus dem Jahr 2006, da die Befragung jedoch für ihre ausführliche Untersuchung der Fragestellung "Welche Inhalte kennen Jugendliche und welche Emotionen löst das Gesehene aus?" bisher einzigartig ist, soll sie an dieser Stelle trotzdem erwähnt werden. Nach Altstötter-Gleich  kennen 33% der befragten Jugendlichen (n= 1352 Jugendliche zwischen 11-17 Jahren) Internet-Beispiele für pornografische Angebote der Kategorie "Soft" (Darstellungen nackter Personen, Striptease, "normaler" Geschlechtsverkehr in unterschiedlichen Stellungen). Beispiele der Kategorie "Hart" (Sodomie inkl. Geschlechtsverkehr in Verbindung mit Gewalt an Tieren oder sexuelle Verstümmelung an Tieren, Nekrophilie, Geschlechtsverkehr in Verbindung mit Gewalt, sexuelle Verstümmelung, Sexueller Missbrauch von Kindern) werden von 16% der Jugendlichen genannt. Weitere 6% der befragten Mädchen und Jungen haben Angebote "mittlerer" Ausprägung gesehen (sodo-masochistische Sexpraktiken, Fisting und Dehnungspraktiken, Gruppensex und Gang-Bang, Bukkake, Praktiken in Verbindung mit Fäkalien und Urin). 15% geben an,  Internet-Beispiele der Kategorie "Gruppen-Sex" gesehen zu haben und 9% sind Angebote aus dem Bereich "Sex-Praktiken" (Masturbation, Oralverkehr, Analverkehr) bekannt (vgl. Altstötter-Gleich 2006, S. 21ff.). Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche unterschiedliche und "härtere" Pornografiearten kennen. Besonders bedenklich erscheint an den Untersuchungsergebnissen von Altstötter-Gleich, dass Jugendliche Inhalte gesehen haben, die gesetzlich generell verboten sind.

Hier ist jedoch zu bedenken, dass sich die im Jahr 2006 erhobenen Werte  in den letzten Jahren durch einen Anstieg des Angebots an Internetpornografie, eine erhöhte Internetnutzug, etc. möglicherweise verändert haben könnten.

1.4.3 Emotionen im Umgang mit Pornografie

Welche Emotionen mit Pornografie verbunden sind, ist laut Studienergebnissen abhängig von den pornografischen Inhalten, dem Geschlecht und dem Alter der Befragten. Nach Altstötter-Gleich (2006) liegen positive und negative Emotionen im Umgang mit Pornografie nahe beieinander (vgl. S. 44). Während die männlichen Befragten bei "normalem" Geschlechtsverkehr, der Darstellung von nackten Personen, Homosexualität unter Frauen, Oralverkehr und Gruppensex eher positive Gefühle empfinden, berichten die befragten Mädchen in Bezug auf diese Inhalte häufiger von negativen Emotionen. Inhalte, die im Kontext der Studie zur Kategorie "Hart" zugeordnet werden (Sodomie inkl. Geschlechtsverkehr in Verbindung mit Gewalt an Tieren oder sexuelle Verstümmelung an Tieren, Nekrophilie, Geschlechtsverkehr in Verbindung mit Gewalt, sexuelle Verstümmelung, Sexueller Missbrauch von Kindern), werden geschlechtsunabhängig mit negativen Emotionen wir Angst und Ekel verbunden (vgl. S. 44). Hinsichtlich des Alters der Befragten konnten Livingstone u.a. (2010) feststellen, dass jüngere Befragte die Rezeption von Pornografie in einem größeren Ausmaß als negativ empfinden, als ältere Befragte (vgl. S. 60).

1.4.4 Motive für den Konsum von Pornografie

Grimm u.a. (2010a) konnten im Rahmen einer qualitativen Befragung von Jugendlichen verschiedene Gründe für die aktive/bewusste Rezeption von Pornografie ermitteln:

  • Erregung/Masturbation
  • Lernen/Wissensgewinn über Sexualität und sexuelle Praktiken
  • Soziale Aspekte - Pornografienutzung, um in der Gruppe mitreden zu können
  • Unterhaltung/Spaß/Vermeidung von Langeweile
    (vgl. Grimm u.a. 2010a, S. 70ff.).

 

Studienergebnisse von Matthiesen und Martyniuk verdeutlichen, dass verschiedene Pornografiearten/-inhalte für unterschiedliche Zwecke genutzt werden (vgl. 2011, S. 353). Während "normale" Pornografie vorrangig der sexuellen Erregung und Masturbation dient, wird Pornografie, die ungewöhnliche paraphile oder gewalttätige Sexualität zeigt eher zum "Posing" in der Gleichaltrigengruppe oder zur Abgrenzung und Vergewisserung der eigenen Normalität genutzt. "Der homosoziale Kontext, in dem Jugendliche paraphile und gewalttätige Pornografie in der Regel konsumieren, macht diesen Konsum für sie zu einem Ausflug zum Jahrmarkt der sexuellen Verrücktheiten - und sie versichern sich mit ihrer heftigen affektiven Ablehnung ihrer Distanz zum ´Perversen` und ihrer eigenen Normalität" (Schmidt und Matthiesen 2011, S. 358).

Das Motiv Wissenserwerb/etwas über Sexualität lernen spiegelt sich in der Befragung von Schmidt und Matthiesen ebenfalls wieder. Hier dominiert bei den befragten Jugendlichen jedoch die Auffassung, "dass sexuelle Kompetenzen durch reale Erfahrungen erworben werden und die Pornografie hierfür ein begrenztes Hilfsmittel ist" (Schmidt und Matthiesen 2011, S. 372)

1.4.5 Wirkungshypothesen

In der öffentlichen Debatte über Jugendliche als Rezipienten von Pornografie dominiert die Perspektive des schädlichen Einflusses. Die Befürchtung, dass Pornografie zu sexueller Verwahrlosung Jugendlicher führt, taucht aufgrund ihrer Medienwirksamkeit immer wieder in der Presse auf, entspricht jedoch nicht dem aktuellen Forschungsstand. Inwiefern sich das Rezipieren pornografischer Angebote auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirkt, ist bisher in Studien nicht geklärt. Experten und Expertinnen sind sich jedoch einig, dass es keine monokausalen Wirkungen von Pornografie geben kann, sondern vielfältige Faktoren, wie z.B. Alter, Bildung, Medienkompetenz, Beziehungserfahrungen, sexuelle Erfahrungen, Wissen über Sexualität, das soziale Umfeld, etc. den Einfluss von Pornografie auf Jugendliche moderieren (vgl. Grimm u.a. 2010a, S. 263).

Jugendliche sind keine passiven Objekte, auf die Medien in einer bestimmten Art und Weise einwirken. Sie sind aktiv am Rezeptionsprozess beteiligt und wählen sich Medien ihren Bedürfnissen und Interessen entsprechend selbstbestimmt aus.

1.4.6 Auswirkungen von Pornografiekonsum im Jugendalter auf Erwachsenensexualität

Eine kroatische Studie von Štulhofer und Landripet ist bisher die einzige Studie, die Auswirkungen von Pornografiekonsum in der Jugendphase auf das spätere Sexualleben solide erforscht. Bei der kroatischen Studie handelt es sich um eine retrospektive Onlinebefragung von 600 Studierenden, die untersucht, ob ein statistischer Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Pornografiekonsums im Alter von 14-19 Jahren und Merkmalen der Sexualität im Erwachsenenalter (Überschneidung des individuellen sexuellen Skripts vom ´besten Sex` mit pornotypischen Skripten, Fähigkeit zu Intimität in festen Beziehungen, sexuelle Zufriedenheit) besteht. Die Studie konnte keinen Zusammenhang zwischen der Frequenz des Pornografiekonsums und den genannten Faktoren der Sexualität im Erwachsenenalter feststellen. "18- bis 25-jährige Frauen und Männer mit einem hohen bzw. einem niedrigen Pornografiekonsum in Pubertät und Adoleszenz unterscheiden sich danach nicht im Hinblick auf die Intimität ihrer gegenwärtigen Beziehung, ihrer gegenwärtigen sexuellen Zufriedenheit und ihren sexuellen Skripten" (Štulhofer u.a. 2009, S. 20).

1.4.7 Realität-Fiktionsunterscheidung

 

In Bezug auf die Realitätsnähe der in Pornografie gezeigten Geschlechtsrollen wird im Kontext der qualitativen Interviews mit männlichen Jugendlichen von Schmidt und Matthiesen deutlich, dass ein Großteil der Befragten die gezeigten Geschlechtsrollenbilder als pornotypisch und nicht realitätsnah einstuft. Auch die in Pornos gezeigte Sexualität wird nicht als realitätsnah eingestuft. "Die Jugendlichen [sehen] (...) fundamentale Unterschiede zwischen dem Pornosex und der Sexualität, die sie selbst praktizieren oder sich wünschen" (Schmidt und Matthiesen 2011, S. 375).

Weber und Daschmann konnten feststellen, dass männliche Häufignutzer von Pornografie eine stärkere Verbreitung pornografietypischer sexueller Verhaltensweisen in der deutschen Gesamtbevölkerung vermuten, als Personen die Pornografie weniger nutzen. Bezüglich der sozialen Bedingungen von Sexualität kann ein derartiger Zusammenhang zwischen häufigem Pornografiekonsum und der Einschätzung der Befragten hinsichtlich der sozialen Bedingungen von Sexualität in der deutschen Gesamtbevölkerung nicht ermittelt werden. Weber und Daschmann schlussfolgern, "dass die schon in der Kindheit erworbenen Bindungskonzepte den dominierenden Einfluss darstellen" (2010, S. 186). Dieses wird im Rahmen der Studie von Schmidt und Matthiesen (2011) bestätigt: "Pornografiekonsum kann die mehr an der Oberfläche liegenden und postpubertär erworbenen interaktionellen sexuellen Skripte (Simon und Gagnon 1986) erweitern, die biografisch früher verankerten intrapsychischen Skripte, die die Blaupause des individuellen sexuellen Verlangens bestimmen, aber kaum beeinflussen" (Schmidt und Matthiesen 2011, S. 373).

1.4.8 Sexueller Leistungsdruck

Ergebnisse der qualitativen Studie von Grimm u.a. zeigen, dass männliche Jugendliche "unter einem sexuellen Leistungsdruck stehen, der anscheinend durch die Rezeption von Pornos verstärkt wird" (Grimm 2010b, S. 6). Die befragten männlichen Jugendlichen meinen schon vor dem ersten Geschlechtsverkehr über sexuelle Erfahrungen verfügen zu müssen. Zur Gewinnung dieser Erfahrungen nutzen sie Pornografie, wodurch sich jedoch der Leistungsdruck wiederum steigert (vgl. ebd).

1.4.9 Einstellungen zum pornografischen Skript

Ergebnisse von Grimm (2010) verdeutlichen, dass die Einstellungen der männlichen Befragten zum pornografischen Skript individuell unterschiedlich sind. "[D]ie Spanne reicht von einer kritischen Haltung (z.B. gegenüber dem Pornomarkt oder dem Objektstatus der Frauen) bis zu einer unreflektierten Befürwortung des Skripts" (Grimm 2010, S. 255). Pornografiekonsum kann somit zu einem Risiko werden, wenn Jugendliche nicht über die Fähigkeit verfügen, das Gesehene kritisch zu reflektieren.

Insgesamt weisen die angesprochenen Studien darauf hin, dass ein großer Teil der Jugendlichen pornografische Medieninhalte selbstbestimmt, den eigenen Bedürfnissen entsprechend auswählt und die Inhalte kritisch reflektiert. "Sie gucken sich solche sexuellen Fertigkeiten und Variationen ab, die zu ihren sexuellen Wünschen passen, und beginnen deshalb heute vermutlich früher damit, orale Praktiken und unterschiedliche Stellungen auszuprobieren" (Schmidt und Matthiesen 2011, S. 377).

In Anhängigkeit vom Alter, dem psychischen und sozialen Hintergrund der Jugendlichen sowie deren bereits bestehenden Skripten von Sexualität nehmen Jugendliche Pornografie unterschiedlich wahr. Zu einem Risiko für die sexuelle Entwicklung kann Pornografie dann werden, wenn Jugendliche beispielsweise aufgrund ihres Alters durch die Inhalte verängstigt werden oder wenn ihnen die Kompetenz fehlt, das Gesehen einzuordnen und zu reflektieren.

1.5 Empfehlungen für die Praxis

In der sexual- und medienpädagogischen Arbeit ist es wichtig, Jugendlichen Gesprächsanlässe zu bieten, um Sexualität und Pornografie zu thematisieren. Das Sprechen über Sexualität ist sicherlich nicht leicht, insbesondere wenn es nicht um biologische Aspekte (Schwangerschaft, Verhütung, Geschlechtskrankheiten) geht, sondern wenn Themen wie sexuelle Praktiken, Masturbation, Homosexualität, etc. im Mittelpunkt stehen.

Hinsichtlich der nicht intendierten Konfrontation mit Pornografie sollte Jugendlichen Hilfe zur Verarbeitung des Gesehenen angeboten werden. Hier können päd. Fachkräfte als wichtige Ansprechpartner/innen fungieren. Darüber hinaus ist es wichtig, Jugendlichen mögliche Hilfsangebote (z. B. Beratungsstellen im Internet) aufzuzeigen und sie über technische Schutzmaßnahmen (z.B. Spamfiltereinstellungen, Privatsphäreoptionen) zu informieren.

In Bezug auf die bewusste Zuwendung zu pornografischen Materialien bedarf es sexual- und medienpädagogischer Angebote, die folgende Aspekte thematisieren sollten (vgl. Hummert 2012, S. 204; Grimm 2010b, S. 8):

  • Individuelle Wünsche und Bedürfnisse in Bezug auf Liebe, Sexualität und Partnerschaft (Was ist mir wichtig? Wo sind meine Grenzen?)
  • Positive und negative Erfahrungen und Gefühle im Umgang mit Pornografie.
  • Realitätsnähe von Pornografie bzw. allgemein von medial gezeigter Sexualität (Hierbei geht es neben Pornografie auch um sexualitätsbezogene Mythen, die in anderen Medien auftauchen).
  • Reflexion der in Pornografie dargestellten Geschlechterbilder
  • Reflexion der positiven und negativen Nutzungsmöglichkeiten
    Oft fokussiert sich die Diskussion des Themas auf negative Aspekte und betrachtet Pornografie ausschließlich als Risikofaktor für die Sexualentwicklung. Wichtig ist es jedoch ebenfalls "die Chancen (Hervorheb. Im Original) des Pornografiekonsums, also mögliche positive Auswirkungen - wie Aufklärung und Wissensvermittlung, Lust, Diversifizierung sexueller Praktiken, Abbau von Vorurteilen, Erweiterung des Spektrums sexueller Fantasien und Verhaltensweisen" (Matthiesen 2011, S. 309) zu thematisieren.
  • Reflexion der gesellschaftlichen Normen und Werte sowie der eigenen Wünsche und Bedürfnisse im Umgang mit Pornografie.

Im Zentrum der sexual- und medienpädagogischen Beschäftigung mit dem Thema Pornografie steht die Reflexion des Gesehenen, so dass Jugendliche die medialen Informationen als genretypisch medial inszenierte Sexualität interpretieren, nicht verunsichert werden und keine "falschen" Vorstellungen von Sexualität erhalten. Indem sich Jugendliche mit den Inhalten von Pornografie, ihren eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Werten und den gesellschaftlich vermittelten Wert- und Normvorstellungen auseinandersetzen, können sie einen eigenen Standpunkt und ein positives Selbstkonzept entwickeln und sich selbstbestimmt und verantwortungsbewusst für oder gegen die Nutzung von Pornografie entscheiden.

Bei der Arbeit mit Jugendlichen zum Thema Pornografie sollten Sie als pädagogische Fachkraft folgende Aspekte beachten (vgl. Rack und Kimmel 2011, S. 12ff.):

  • Selbstreflexion als grundlegende Voraussetzung: Reflektieren Sie zunächst Ihre eigene Haltung zu den Themenfeldern Sexualität und Pornografie. Wie gehen Sie selbst mit Pornografie um? Wie sind Sie in Ihrer Jugendzeit mit Pornografie umgegangen (vgl. Rack und Kimmel 2011, S. 14)?
  • Informieren Sie sich darüber, welche Pornoportale Jugendliche kennen. Es ist ratsam, sich einige Onlineportale anzuschauen, um sich selbst ein Bild vom Pornografieangebot und den Inhalten von Onlinepornografie zu machen (vgl. Rack und Kimmel 2011, S. 12).
  • Die Aussagen der Jugendlichen zum Themenbereich sollten nicht pauschal verurteilt oder bewertet werden (hiervon ausgenommen sind natürlich Kinderpornografie und Tier- und Gewaltpornografie). Rack und Kimmel empfehlen die Verwendung von "Formulierungen wie ´Viele Erwachsene meinen, dass...` oder ´Es wird diskutiert, dass...`" (ebd. 2011, S. 13).
  • Infomieren Sie die Eltern der Schüler über das Projektthema und erläutern sie die Ziele Ihrer Praxiseinheit.
  • In der sexualpädagogischen Arbeit ist es generell wichtig, die Grenzen der Jugendlichen zu beachten und die notwendige Distanz zu wahren. Jugendliche sollten nicht aufgefordert werden, ihre eigenen Erfahrungen zu schildern. Daher empfiehlt es sich Gesprächsfragen allgemein zu formulieren, wie z. B. ´Warum nutzen Jugendliche Pornografie?` anstatt ´Warum nutzt Du Pornografie?`

Eine restriktiv-bewahrende Haltung ist in der Arbeit mit Jugendlichen somit fehl am Platz. Die pädagogische Arbeit sollte die Reflexions- und Handlungskompetenzen Jugendlicher im Umgang mit Pornografie fördern, sowie Medienkompetenz und Sexualwissen vermitteln.

2 Sexting

Bei der Suche nach der eigenen sexuellen Identität nehmen Medien als (Selbst-)Sozialisationsinstanz einen wichtigen Stellenwert ein. Besonders die „neuen“ Medien ermöglichen Jugendlichen, an ihrer sexuellen Identität zu arbeiten. Das  Web 2.0. nimmt mit seiner Fülle von Informationen und den vielfältigen Darstellungen zum Thema Sexualität für viele Jugendliche eine orientierende und aufklärende Funktion ein. Darüber hinaus bietet es mit seinen zahlreichen Sozialen-Onlinenetzwerken, Communityprofilen, Foren und Blogs eine Plattform für die Identitätspräsentation und -erprobung. Unter den Profilbildern und Fotoalben von Jugendlichen in Online-Communities finden sich häufig sogenannte „Selfies" – Portraits, die die Jugendlichen zum Teil selbst von sich aufgenommen haben. Viele dieser Selbstinszenierungen weisen eine Nähe zu Fotomodel-Posings auf und wirken auf den/die Betrachter/in als aufreizend oder sexualisiert. Diese „sexualisierte Konnotation ergibt sich aus den Körperhaltungen, mit denen sekundäre Geschlechtsmerkmale wie Muskeln, Brüste, Bauch, Statur oder Po in den Vordergrund gestellt werden, daneben freizügige Bekleidung, die Mimik (z. B. der Kussmund) sowie die Art des Blicks mit dem lasziven, überlegenen oder fordernden Ausdruck“ (Klicksafe-Broschüre Let´s Talk about Porno 2011, S. 43).

2.1 Begriffsbezeichnung

Zur Bestimmung des Begriffs Sexting liegt keine einheitlich anerkannte Definition vor. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff ein Phänomen, bei dem Jugendliche sexuelle Bilder und/oder Videos, auf denen sie nackt oder halbnackt zu sehen sind an andere Jugendliche senden oder im Internet veröffentlichen.

Sexting kann freiwillig, aber auch ungewollt erfolgen.

2.2 Sexting als Risiko?

Beim Sexting handelt es sich um eine - insbesondere im Rahmen von Paarbeziehungen - "durchaus normale Form des erotischen Austauschs" (Döring 2012, S. S. 20), die positiv eingesetzt "Nähe und Vertrauen in der Paarbeziehung [unterstreichen kann ] und (...) ein [für das Jugendalter notwendiges] Experimentieren mit sexueller Identität und sexueller Kommunikation" (Döring 2012, S. 22) ermöglicht.

Problematisch wird Sexting dann, wenn Sexts unter Druck oder Zwang erstellt werden oder wenn Bilder an die Öffentlichkeit gelangen und weitergeleitet werden. Werden Sexting-Bilder weitergeleitet, ist dies häufig mit extremen Mobbing der abgebildeten Person verbunden. 

Sexting wird in Abhängigkeit vom Geschlecht der abgebildeten Person unterschiedlich bewertet. „Was Sexting-Bilder aus Sicht der Teenager so skandalisierbar macht, ist weniger ihr Bildinhalt (der meist nicht viel mehr preisgibt als im Schwimmbad ohnehin zu sehen ist), sondern die Tatsache, dass die Existenz des selbst erstellten freizügigen Fotos aktives sexuelles Handeln von Mädchen sichtbar macht“ (Döring 2012, S. 14). Offensives sexuelles Verhalten wird bei Mädchen überwiegend  als geschlechtsatypische „soziale und sexuelle Normverletzung“ (Döring 2012, S. 23) betrachtet. Es geht mit einem negativen Image („billig“ bzw. „schlampig“) einher (vgl. Grimm 2010, S. 255ff.).

2.3 Wie kann in Schule oder Jugendarbeit zum Thema Sexting gearbeitet werden?

Im Rahmen der praktischen Arbeit zum Themenbereich Sexting findet überwiegend eine Sensibilisierung für die möglichen Gefahren statt. Vermittlungsziel ist dabei häufig "Sexting-Abstinenz".

Diese Präventionshaltung wird jedoch der Lebenssituation von Jugendlichen nicht gerecht, vernachlässigt die Nutzungspotenziale von Sexting und Verstärkt die Schuldzuschreibung an Betroffene, deren Bildmaterial ohne ihr Einverständis weitergeleitet wurde. Wie die vorliegenden Studienergebnisse zeigen, nutzt ein Teil der Jugendlichen Sexting als Form des erotischen Austauschs in der Paarbeziehung, wobei Sexting mit positiven Erfahrungen einhergeht und für die Entwicklung der sexuellen Identität  von Bedeutung sein kann.

Im Gegensatz zu Abstinenz-Forderungen steht die Vermittlung eines "Safer-Sexting" (Döring). Dazu gehört die Förderung von Medienkompetenz und einer grenzachtenden Kommunikationskultur.

Präventionsbausteine:

  • Datenschutz
    Jugendliche müssen erlernen, wie sie beispielsweise die Privatsphäre-Einstellungen in ihrem Online-Profil verändern können, um den Zugriff auf das eigene Profil einzuschränken.
  • Reflexion des Victim-Blamung
    Beim Sexting findet häufig eine Schuldzuschreibung an die Betroffenen statt. Daher ist es wichtig, den Fokus von den Betroffenen auf das Umfeld zu lenken und ethisch-moralische Aspekte der Weiterleitung zu diskutieren. Wer hat die Bilder einfach ohne Einverständnis weitergeleitet? Wer hat sich an der Weiterleitung beteiligt? Wer hat einfach nur zugeschaut und nichts unternommen?...
  • Vermittlung von Empathie und Respekt im gemeinsamen Miteinander
  • Sicherheitstipps für das Erstellen von Sexting-Bildmaterial
    Im Rahmen einer Analyse von Onlineforen, in denen sich Jugendliche selbst Sicherheitstipps zum Sexting geben, wurde beispielsweise der Tipp genannt, anonymisierte oder diskrete Bilder zu versenden (vgl. Döring 2012, S. 21 - siehe unten)
  • Kenntnisse über Interventionsmöglichkeiten
    Jugendliche sollten wissen, wie sie z. B. Fotos von einer Webseite löschen lassen können.
  • Kenntnisse über rechtliche Aspekte
    Hier bedarf es der Vermittlung konkreter Wissensbestände. Wer Bilder oder Videos ohne die Zustimmung der abgelichteten Person veröffentlicht, verstößt u. a. gegen das Recht am eigenen Bild.
  • Kenntnisse über Hilfs- und Beratungsangebote
    Ein weiterer wichtiger Bereich der praktischen Arbeit zum Themenbereich Sexting ist die Information der Jugendlichen über mögliche Hilfs-/Beratungsangebote, wie z. B. die Webseite www.safe-me-online.

Empfehlungen zum Safer-Sexting (Döring, 2012)

Konkrete Empfehlungen zum Safer-Sexting finden sich bei Döring (2012), die Ratschläge von Jugendlichen aus Online-Foren zu acht Empfehlungen zusammengefasst hat:"

  1. Einverständnis. Mache nur beim Sexting mit, wenn du es wirklich willst. Höre im Zweifelsfall auf dein Bauchgefühl und lasse dich zu nichts überreden, womit du dich nicht wirklich wohl fühlst und wovon du nicht selbst überzeugt bist.
  2. Vertrauen. Betreibe Sexting nur mit einer verantwortungsvollen Person. Die Person sollte kein Kind mehr sein oder sich zumindest nicht mehr kindisch verhalten. Du solltest die Person gut kennen, am besten schon lange Zeit mit ihr befreundet sein.
  3. Wechselseitigkeit. Betreibe Sexting nicht einseitig, indem nur du Bilder schickst, sondern wechselseitig.
  4. Diskrete Bilder. Anstelle von sexuell sehr eindeutigen Fotos oder Nacktbildern kannst du im Zweifelsfall Unterwäsche- oder Badehosen / Bikini-Fotos nehmen, die sind weniger peinlich, falls sie herumgezeigt werden. Ins Schwimmbad geht schließlich jeder.
  5. Anonyme Bilder. Sexting-Bilder können anonymisiert werden, indem du einen Ausschnitt wählst, auf dem dein Gesicht (oder andere identifizierende Merkmale) nicht zu sehen sind. Falls solche Bilder in falsche Hände geraten, kann man sie nicht auf dich zurückführen.
  6. Professionelle Bilder. Wenn du Fotos verschenken möchtest, dann vielleicht lieber professionelle Aktfotos vom Fotografen. Die sehen auf jeden Fall ästhetisch und nicht „billig“ aus. Man wird dann weniger darüber lästern, sondern eher bewundernd reagieren, falls sie in Umlauf kommen.
  7. Rechtslage. Niemand darf ohne dein ausdrückliches Einverständnis Bilder von dir machen oder Bilder, die du selbst gemacht hast, weiterverbreiten. Wenn jemand damit droht, deine Bilder herumzuzeigen oder ins Internet zu stellen, dann wäre das eine Straftat. Lasse dich nicht einschüchtern, sondern kündige rechtliche Schritte an. Wenn jemand Bilder ohne dein Einverständnis verbreitet hat, dann suche dir Unterstützung bei Eltern und Lehrern und gehe – auch rechtlich – dagegen vor.
  8. Respekt. Stehe zu dem, was du gemacht hast und zu deinem Körper. Du hast nichts falsch gemacht. Schämen sollten sich diejenigen, die Fotos weiterleiten und andere mobben." (Döring 2012, S. 25).

2.4 Arbeitsmaterialien für die Präventionsarbeit

In der Broschüre “Let´s talk about Porno” findet sich ein Projekt für eine Unterrichtsstunde zum Thema  „Sexualisierte Selbstdarstellung“.

 

Darüber hinaus gibt es Filme, die die Themen "Umgang mit persönlichen Daten", "Selbstdarstellung" und "Schönheit" ansprechen.

3 Sexualisierte Gewalt in der Onlinekommunikation

Sexuelle Übergriffe in der Onlinekommunikation

Informationen zu rechtlichen Aspekten, dem aktuellen Forschungsstand, Täterstrategien/Onlinegrooming sowie Präventionsbausteinen finden Sie im Bereich "Kontexte sexueller Übergriffe" unter dem Menüpunkt "Medien".

4 Literatur

Altstötter-Gleich, Christine (2006): Pornografie und neue Medien. Eine Studie zum Umgang Jugendlicher mit sexuellen Inhalten im Internet. Mainz.

BRAVO Dr.-Sommer-Studie Liebe! Körper! Sexualität! 2009 Online verfügbar: http://www.bauermedia.de/uploads/media/BRAVO_DrSommerStudie2009_Sperrfrist_2009-05-12_gr.pdf [Stand: 16.10.2012]

Braun-Courville, Debra K.; Rojas, Mary (2009): Exposure to Sexually Explicit Web Sites and Adolescebt Sexual Attitudes and Behaviors. In: Journal of Adolescent Health, Jg. 45, H. 2, S. 156-162.

Döring, Nicola: Erotischer Fotoaustausch unter Jugendlichen: Verbreitung, Funktionen und Folgen des Sexting. Zeitschrift für Sexualforschung, 2012; 25; S. 4–25.

Flood, Michael; Hamilton, Clive: Youth and Pornography in Australia. Evidence on the extent of exposure and likely effects. The Australia Institute. Discussion Paper Number 52, 2003. Online verfügbar: http://www.tai.org.au/documents/dp_fulltext/DP52.pdf [Stand: 16.10.2012]

Grimm, Petra u.a.: Porno im Web 2.0. Die Bedeutung sexualisierter Web-Inhalte in der Lebenswelt von Jugendlichen. Berlin: Vistas, 2010a.

Grimm, Petra: Die Bedeutung der Pornografie in der Lebenswelt von Jugendlichen. Ergebnisse der Studie " Porno im Web 2.0". In: Pro Jugend, 4, 2010b, S. 4-8.

Hummert, Michael: Sexualpädagogik, Medien und Pornografie. In: Sielert, Uwe; Schmidt, Renate-Berenike (Hrsg.): Sexualpädagogik in beruflichen Handlungsfeldern. 1. Auflage Köln: Bildungsverlag EINS.2012. S. 185-211.

Kimmel, Birgit; Rack, Stefanie u.a.: Let´s talk about Porno. Jugendsexualität, Internet und Pornografie. Arbeitsmaterialien für Schule und Jugendarbeit. Klicksafe Veröffentlichung 2011. Online.

Matthiesen, Silja: Jugend und Pornografie. In: Zeitschrift für Sexualforschung, 2011; 24; 309-311. Schmidt, Gunther; Matthiesen, Silja: "What do boys do with porn?" Ergebnisse einer Interviewstudie, Teil 2. In: Zeitschrift für Sexualforschung, 2011; 24; 353-378.

The National Campaign to Prevent Teen and Unplanned Pregnancy and CosmoGirl.com (Hrsg.) (2008): Sex and Tech. Results from a Survey of Teens and Young Adults. Online.

Weber, Mathias; Daschmann, Gregor (2010): Zur Nutzung pornografischer und erotischer Videoclips und Filme durch ältere Jugendliche. Spezifische Aspekte im Kontext adoleszenter Entwicklung. Medien und Kommunikationswissenschaft, 58, 167-189. Online.

Zillich, Norbert: Pornografiekonsum unter Jugendlichen und Flexibilisierung der Geschlechterrollen. In: Zeitschrift für Sexualforschung, 24, 2011, S. 312-325.

Autorin

  • Dr. phil. Verena Vogelsang

    Verena Vogelsang ist Diplom-Pädagogin und arbeitet seit 2009 im Projekt Kinderschutzportal mit. Zu ihren Schwerpunkten gehört der Bereich "Sexualisierte Gewalt und Medien".

    Mehr erfahren

Buchtipp

Aigner, J.C.; Hug, T.; Schuegraf, M.; Tillmann, A. (2015): Medialisierung und Sexualisierung. Vom Umgang mit Körperlichkeit und Verkörperungsprozessen im Zuge der Digitalisierung. VS-Verlag.

Unterrichts- materialien

Wie kann ich im Unterricht mit Schülerinnen und Schülern zu den Themen  Pornografie und Sexting arbeiten? Eine Auswahl an Unterrichtsmaterialien finden Sie hier.

Broschüre zu Sexting

Informationen für Jugendliche von saferinternet.at

Handreichung

Kimmel, Birgit u.a.: Let’s talk about Porno. Jugendsexualität, Internet und Pornografie. Klicksafe-Arbeitsmaterialien für Schule und Jugendarbeit zu den Themenbereichen Pubertät, Schönheitsideale in unserer Gesellschaft, Pornografie und sexualisierte Kommunikation

DVD

Geiler Scheiß – Ein Film über Jugendliche und Pornografie des Medienprojekts Wuppertal (2008) mehr erfahren

Film/Webseite

Film: Sex we can! (2009) Im Auftrag des Wiener Programms für Frauengesundheit sowie der Organisation ICE-Vienna wurde der dreiteilige Anima- tionsfilm entwickelt. Der Film richtet sich an Jugendliche im Alter von 14 -16 Jahren (Altersangabe der Heraus- geberinnen und Heraus- geber). Ein Teil der Anima-tionsreihe beschäftigt sich explizit mit dem Thema Pornografie. Weitere Informationen und den Link zum Film finden Sie hier