Elternarbeit

verfasst von Dr. Marlene Kruck-Homann

1 Zusammenarbeit mit Eltern

Zu einer umfassenden Präventionsarbeit in einer Einrichtung gehört auch die Elternarbeit. So sollten z. B. Eltern schon beim Aufnahmegespräch ihres Kindes in die Kindertagesstätte erfahren, dass Sexualpädagogik und Präventionsarbeit im Konzept der Einrichtung verankert sind.
Wenn Sie als Erzieherin oder Erzieher Eltern über die Präventionsarbeit Ihrer Einrichtung informieren, werden Sie wahrscheinlich sehr unterschiedliche Reaktionen erhalten.
Ihnen begegnen

  • Eltern, die Ihre Präventionsarbeit begrüßen, weil sie um deren Notwendigkeit wissen, die interessiert zu thematischen Elternarbeiten kommen werden und vielleicht sogar ihre Mitarbeit bei Präventionsprojekten anbieten.
  • Eltern, die nichts dagegen haben, wenn Sie Präventionsarbeit durchführen, die sich aber nicht sonderlich engagieren und an inhaltlichen Elternabenden nicht teilnehmen.
  • Eltern, die Vorbehalte anmelden aus Angst vor dem "Missbrauch mit dem Missbrauch". Diese Eltern äußern z.B. Bedenken gegen falsche Deutungen von Aussagen, Verhaltensweisen oder Kinderzeichnungen.
  • Eltern, die möglicherweise wegen der eigenen Situation unsicher sind, weil sie (als Opfer oder TäterInnen) selbst betroffen sind.
  • Eltern, die besorgt sind wegen einer zu großen Belastung der Kinder und die befürchten, dass das Thema bei den Kindern Angst auslöst. Sie haben Sorge, dass bei betroffenen Kindern Ängste verstärkt werden, oder bei Kindern, die nicht betroffen sind, Freiheit und Unbefangenheit gegenüber der Sexualität genommen werden.
  • Eltern, die generell die Behandlung von Sexualität als ihr familiäres Privileg ansehen.
  • Eltern anderer Kulturen, die den Bereich der Sexualität - auch des sexuellen Missbrauchs - anders wahrnehmen, teilweise auch deutlich stärker tabuisieren. (vgl. Koch/Kruck, 2000, S. 73)

Diesen unterschiedlichen Einstellungen und Positionen von Müttern und Vätern müssen Sie mit einer klaren, von der Einrichtung gestützten Haltung begegnen. Sensibilität hinsichtlich der Unsicherheiten und Sorgen der Eltern und ehrliche Kommunikationsbereitschaft können helfen Widerstände zu minimieren und damit präventive Elternbildung zu ermöglichen.

Es hat sich herausgestellt, dass viele Eltern zwar ein gewisses theoretisches Wissen über sexualisierte Gewalt haben, dass sie aber weder über derzeitige Präventionsansätze und noch über Hilfsangebote durch Beratungsstellen ausreichend informiert sind. Elternabende bieten eine gute Möglichkeit, sexualisierte Gewalt zu thematisieren und eine geplante Unterrichtseinheit vorzustellen, um so die Eltern in das geplante Unterrichtsgeschehen einzuweihen und das immer noch mit Tabu besetzte Thema zu entkrampfen, ohne es zu verharmlosen. Ferner bietet es sich an, eine Fachperson von außen zu einem Elternabend einzuladen, damit Eltern grundlegende Informationen zum Thema erhalten. Den Eltern Interventionsmöglichkeiten aufzuzeigen für den Fall, dass sie bei ihrem Kind sexuelle Gewalterfahrungen vermuten, und ihnen Kontaktadressen der regionalen, zum Thema arbeitenden Einrichtungen zu vermitteln, sind entscheidende Aspekte der Elternarbeit. Viele Eltern sind dankbar und offen für Ratschläge, wie sie mit ihren Kindern über "dieses schwierige Thema" reden können. Literaturhinweise oder Empfehlungen für Spiele, CDs oder Internetseiten werden gerne angenommen.

Präventionsarbeit ist besonders dann sehr erfolgreich, wenn die Eltern mit den Themen 'sexualisierte Gewalt' und 'Sexualität' möglichst offen und unverkrampft umgehen. Kinder werden sich eher öffnen, wenn diese Themen im Elternhaus nicht tabuisiert sind und ein freies Sprechen über Sexualität selbstverständlich ist.

2 Literatur

Kruck-Homann, Marlene: Sexuelle Gewalt – Basiswissen, Prävention und Intervention. In: Schmidt, Sielert (Hrsg.): Sexualpädagogik in beruflichen Handlungsfeldern. Bildungsverlag EINS, 2012, S. 212-248.

Autorin

  • Dr. Marlene Kruck-Homann

    Dr. Marlene Kruck-Homann ist Grundschullehrerin und langjährige Mitarbeiterin im wissenschaftlichen Beirat des Projekts Kinderschutzportal. Im Rahmen ihrer Dissertation hat sie sich mit Kinder- und Jugendbuchliteratur zum Thema sexualisierte Gewalt auseinandergesetzt. Zu ihren thematischen Schwerpunkten gehört die Präventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt in der Grundschule.

    Mehr erfahren

Präventionsprojekte

Studie

Andresen, Sabine et al. (2015): Prävention sexueller Gewalt in der Grundschule: Erfahrungen, Überzeugungen und Wirkungen aus Sicht von Kindern, Eltern, Lehr- und Fachkräften. Beltz.

Kinderbücher für die Prävention

Welche Bücher eignen sich für die präventive Arbeit mit Kindern? Eine Auswahl an Kinderbüchern finden Sie hier.