Kritik am feministischen Ansatz

Zwischen dem feministischen und dem familiendynamischen Erklärungsansatz hat es lange Zeit eine heftige Kontroverse gegeben. So bezog sich die Kritik am feministischen Ansatz seitens der Kinderschutzbewegung in erster Linie auf die Verkennung bzw. Nichtbeachtung von familienstrukturellen Ursachen. Die Problematik des sexuellen Missbrauchs würde laut Kinderschutzbewegung auf die gängige Gleichung: "Männer = Täter" und "Mädchen = Opfer" reduziert werden. Hier hat es in den letzten Jahren aber eindeutig Veränderungen und Entwicklungen gegeben.

So erfordern es die derzeitigen Erkenntnisse, sexuellen Missbrauch als multikausales Phänomen zu betrachten (vgl. Finkelhor).

VertreterInnen der einzelnen Ansätze erweiterten bzw. ergänzten demzufolge ihr Ursachenverständnis, so dass die VertreterInnen des familiendynamischen Ansatzes, die sexuelle Gewalt an Kindern „als Beweis struktureller Familienprobleme in einer patriarchalischen Gesellschaft“ (Enders 1995,S.30) bewerten.

Aus feministischer Sicht werden Jungen als Opfer nicht ausgeblendet, sondern an der Schnittstelle des Machtgefälles männlich/weiblich sowie Erwachsene/Kind einbezogen. Ebenso werden Frauen als Täterinnen mittlerweile ausdrücklich von feministischer Seite benannt und in die Analyse mit aufgenommen (vgl. Kavemann 1994; Eliott 1995).

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