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Kritik am familiendynamischen Ansatz
Dieser Ansatz beschränkt sich nur auf den innerfamilialen Missbrauch und verhindert dadurch das Erforschen umfassender Ursachen. Fürniss orientiert sich einseitig an Sexualkonflikten als Ursache für sexuellen Missbrauch und berücksichtigt keine gesellschaftlichen Hintergründe. Diese Betrachtungsweise wird als eindimensional bezeichnet und ersetzt lediglich den Erklärungsansatz der ‘gestörten Täterpersönlichkeit’ durch das ‘gestörte Familiensystem’.
Die VertreterInnen des feministischen Erklärungsansatzes kritisieren, dass hier keine Ursachenanalyse, sondern eine Beschreibung der Folgen geleistet werde. Zu Recht fragt Josephine Rijnaarts: ”Was ist zuerst da - der sexuelle Mißbrauch oder die Probleme der Familie?” (Rijnaarts 1991, S.158). Des weiteren wird der Mutter bei diesem Ansatz eine Mitschuld gegeben.
Weiterführende Erkenntnisse zur sexuellen Gewalt machen es erforderlich, sexuellen Missbrauch als multikausales Phänomen zu betrachten (vgl. Finkelhor). VertreterInnen der einzelnen Ansätze erweitern bzw. ergänzen demzufolge ihr Ursachenverständnis, so dass es inzwischen einige VertreterInnen des familiendynamischen Ansatzes gibt, die die sexuelle Gewalt an Kindern „als Beweis struktureller Familienprobleme in einer patriarchalischen Gesellschaft“ (Enders 1995, S.30) bewerten. In feministischen Kreisen werden die Phänomene: ‚Jungen als Opfer sexueller Gewalt‘ und ‚Frauen als Täterinnen‘ ebenso nicht mehr geleugnet. (Enders 1995, S.30f.) (vgl. auch Enders 2001)
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