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Der familiendynamische Ansatz
Der familiendynamische Ansatz bezieht sich weitgehend auf den intrafamilialen sexuellen Missbrauch und lässt sich nur begrenzt auf extrafamiliale Missbrauchssituationen übertragen. Die Ursachen sexueller Gewalt werden nicht aus der Pathologie einzelner Täter erklärt, sondern aus der Dysfunktion der Familie. Demnach wird der sexuelle Missbrauch als Symptom eines gestörten Familiensystems gedeutet und nicht als deren Ursache.
Nach Fürniss (1989) ist die Familiendysfunktion primär durch einen ungelösten Sexualkonflikt zwischen den Eltern gekennzeichnet, der mittels sexueller Gewalt am Kind bewältigt werden soll. Demnach „sichert“ der sexuelle Missbrauch das Überleben für die ganze Familie. Durch diesen Missbrauch sollen Konflikte und Spannungen innerhalb der Familie abgebaut und eine Auseinandersetzung mit den auslösenden zugrundeliegenden Problemen vermieden werden. Sexueller Missbrauch dient in diesem Fall als ‘Bindeglied’ und zur Konfliktregulierung tieferliegender, sexueller Partnerkonflikte.
Im familiendynamischen Ansatz wird davon ausgegangen, dass die Krise und Spannungen innerhalb der Familie schon vor der Missbrauchssituation vorhanden waren und nicht erst durch diese hervorgerufen werden. Nach Fürniss ist die Frau nicht willens oder in der Lage, die sexuellen Wünsche und Forderungen des Mannes zu erfüllen. Indirekt gibt sie damit ihr Einverständnis zum sexuellen Missbrauch, damit der Mann sie nicht mehr behelligt. Eine gestörte Mutter-Tochter-Beziehung dient als Voraussetzung zum sexuellen Missbrauch.
Fürniss unterscheidet zwei Familiensysteme, die den sexuellen Missbrauch begünstigen:
- Sexualität ist innerhalb der Familie tabu. Folglich gilt der sexuelle Missbrauch als Triebbewältigung.
- In der Partnerschaft sind offene und gewalttätige Konflikte an der Tagesordnung. Der sexuelle Missbrauch dient hier der Konfliktregulierung. Indem die Mutter das Kind ‘opfert’, kann sie sich den sexuellen Forderungen des Mannes und seinen Aggressionen entziehen. Fürniss geht in diesem Fall davon aus, dass der sexuelle Missbrauch allen Familienmitgliedern mehr oder weniger bekannt ist.
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