Frauen als Täterinnen - Profile

Da es nach wie vor wenig Literatur und nur eine geringe Zahl von Studien über Frauen, die sexuelle Gewalt an Kindern verüben, gibt, können nicht so dataillierte Profile wie für Täter vorgestellt werden. Erste Versuche, die unternommen worden sind, basieren überwiegend auf ausländischen, vor allem amerikanischen und kanadischen Studien.

Ehe ein Täterinnenprofil vorgestellt wird, das systematisch in die unterschiedlichen Motivationslagen von Täterinnen einführt, ist es wichtig, auf Unterschiede in den Mustern der sexuellen Gewalt zwischen männlichen und weiblichen Tätern zu verweisen. Diese Muster wurden aus den Daten einer der wenigen empirischen Studien zu Täterinnen erarbeitet (vgl. Matthews in Elliott 1995, S. 115), die zum Thema vorliegt.

Matthews fand, dass

  • keine der Frauen (die in die Studie einbezogen waren) andere in die Rolle einer Komplizin gedrängt hatte,
  • Frauen bei der Ausübung ihrer Tat viel seltener Gewalt ausüben als Männer,
  • Frauen bei Beginn einer Therapie seltener den Missbrauch abstreiten und eher Verantwortung für ihre Taten übernehmen,
  • Männer mit der sexuellen Gewalt tendenziell in einem früheren Alter d.h. in der Adoleszenz, beginnen und - Frauen tendenziell weniger Drohungen gebrauchen, um zu erreichen, dass ihre Opfer still schweigen …

Einige grob umrissene Täterinnen-Profile, geordnet nach zugeschriebenem Verantwortungsgrad, lassen sich jedoch festhalten:

Die Liebhaberin (teacher/lover, ausbeuterische Verführerin):

Diesen Täterinnen, die überwiegend vorpubertäre und pubertierende Jungen „verführen“ und ihnen sexuelle Gewalt antun, wird der höchste Verantwortungsgrad zugeschrieben. Sie sind erwachsene Frauen, die die sexuelle Gewalt initiieren und dabei ihre Machtpositionen ausnutzen. Sie beuten die sexuelle Neugier der Jungen ausschließlich zum eigenen Lustgewinn aus.

Die vorbelastete Täterin (die Prädisponierte):

Sie erfuhr in ihrer Kindheit und Jugend selbst sexuelle Gewalt und wiederholt dieses Erfahrungsmuster bei ihren eigenen oder fremden Kindern. Wichtig ist hier zu unterstreichen, dass eigene Erfahrung mit sexualisierter Gewalt Frauen nicht zwangsläufig zu Täterinnen werden lässt. Dagegen spricht, dass die meisten Opfer Mädchen sind, die meisten Täter aber Männer. Führte sexuelle Gewalterfahrung von Mädchen zwangsläufig zu Täterschaft, wenn sie erwachsen sind, müsste dieses Verhältnis umgekehrt sein. Der vorbelasteten Täterin wird Verantwortlichkeit für ihr Tun zugeschrieben, wenngleich die Meinung vorherrscht, dass ihre eigene Erfahrung als Opfer in gewissem Sinne ihre Verantwortlichkeit reduziert.

Die Mittäterin (die von Männern gezwungene Täterin):

Diesem Täterinnentypus wird der geringste Grad an Verantwortung für ihre Täterschaft zugeschrieben. Diese Frauen stehen selbst unter sexueller Gewalt von Männern und werden von ihnen physisch und/oder psychisch gezwungen, den Opfern gemeinsam mit ihnen sexuelle Gewalt anzutun. Wichtig ist hier zu betonen, dass der Grad der Verantwortung, der den jeweiligen Tätertypus charakterisiert, keinerlei Aussage über die Schwere der Verletzung der jeweiligen Opfer zulässt.

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