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Lebenssituation Teil 2
Vor diesem Hintergrund entwickeln die Mütter, ähnlich wie ihre Kinder, posttraumatische Belastungsstörungen wie Depressionen und massive Ängste. Sie haben vor allem Angst vor ökonomischen und sozialen Status- und Beziehungsverlusten, aber auch Angst vor Diffamierungen durch andere und vor dem Eingeständnis eigenen „Versagens“:
- Ängste vor ökonomischem Statusverlust entstehen dann, wenn durch Scheidung der „Ernährer“ wegfällt und die Mütter Schwierigkeiten bei der Existenzsicherung haben oder befürchten müssen.
- Ängste verursacht auch oft die religiös begründete Auffassung, die Ehe sei ein lebenslanges Bündnis mit dem moralischen Gebot, „in guten wie in schlechten Tagen“ zueinander zu stehen und zusammen zu bleiben.
- Ängste vor sozialem Statusverlust entwickeln sich, wenn Scheidung im sozialen Milieu als Makel gilt oder als Versagen interpretiert wird.
- Beziehungsverluste machen Angst, wenn durch erforderlichen Ortswechsel das soziale Netz reißt oder wenn ein Teil der Bezugspersonen den leugnenden Tätern und nicht den Müttern glaubt und sich von ihnen abwendet.
- Ängste resultieren – besonders in Inzestfällen – aus dem Eingeständnis, mit diesem Partner eine gravierend falsche Lebensentscheidung getroffen zu haben.
- Ängste bereiten ihnen auch das Eingeständnis, als ‚gute Mutter’ „versagt“ zu haben.
- Ängste verursacht in manchen Fällen auch das Gefühl, als Sexualpartnerin den „ehelichen Pflichten“ nicht ausreichend nachgekommen zu sein, als Sexualpartnerin „nicht genügt“ zu haben.
Solche Ängste führen zu tiefen Erschütterungen des Selbstwertgefühls und des Selbstbildes als „kompetente Erwachsene“, „gute Mutter“ und „adäquate Sexualpartnerin“ und führen oft zu tiefen Depressionen.
Die Mütter sind damit auch Opfer solcher traumatischen Erfahrungen und brauchen daher ebenfalls individuelle professionelle Hilfe bei deren Bewältigung, nicht zuletzt auch, um ihren Kindern längerfristig Schutz und Unterstützung bei der Verarbeitung der Erfahrung mit sexualisierter Gewalt geben zu können.
Zudem muss allgemein ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass alle Erwachsenen, also auch die Täter, immer und ohne Einschränkung für ihre Sexualität verantwortlich sind. Nur dann können die Mütter ihren Kindern den erforderlichen Schutz und helfende Unterstützung bei der Bewältigung der sexualisierten Gewalterfahrung geben.
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