Anmerkungen zu so genannten Checklisten

In der praktischen Arbeit besonders mit verhaltensauffälligen Kindern stellt sich immer wieder die Frage, ob und woran man erkennen kann, dass Kinder sexuelle Gewalterfahrungen haben.

Um Folgen sexualisierter Gewalt zu erkennen, können Checklisten hilfreich sein. Sie sensibilisieren für entwicklungsuntypische Verhaltensweisen und schärfen das Bewusstsein für das oft immer noch verdrängte gesellschaftliche Phänomen sexualisierter Gewalt im sozialen Nahbereich.

Doch viele Verhaltensauffälligkeiten können, individuell betrachtet, auch auf andere Ursachen zurückgeführt werden:

  • auf gewalttätige körperliche Züchtigungen in der Familie;
  • auf Trennungskonflikte mit körperlichen Auseinandersetzungen;
  • auf Scheidungssituationen mit Trennungsängsten;
  • auf psycho-soziale und traumatisierende Symptome.

Die Gesamtsituation bei Kindern im Kontext ihrer Entwicklung ist ebenso immer mit zu bedenken (vgl. Itze/Ulonska/Bartsch 2002).

Nie lässt sich nur aus einer Wahrnehmung aus der Checkliste auf Erfahrung mit sexueller Gewalt schließen. Eine Verabsolutierung eines Phänomens schadet dem Opfer und den Mitarbeitenden in den helfenden Berufen (vgl. Pfeiffer/Biernbaums/Dhonau u.a. 1993, S. 8).

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