Einleitung

Herleitung des Begriffs: Inzest ist von incestus (Adj.) abgeleitet. Ursprünglich wurde das Substantiv incestus mit "Unzucht" und "Blutschande" vor allem auf Blutsverwandte bezogen. Durch veränderte gesellschaftliche Familienformen (z.B. sog. Patchwork-Familien) wird bei sexueller Gewalt der Begriff Inzest auch auf andere Familienmitglieder, die nicht blutsverwandt sind, aber mit dem Kind unter einem Dacht wohnen, bezogen.

Machtstrukturen in Inzestfamilien: Sie zeichnen sich durch starke patriarchale Verhaltensweisen der versorgenden Personen aus. Die Familie wird gegenüber der Außenwelt "abgeschottet", um nach außen einen "heilen" Eindruck zu vermitteln.

Vertrauensverrat: Die stärkste Schädigung der Opfer ist im Vertrauensverrat zu sehen, so dass Ursula Wirtz zu Recht vom "Seelenmord" beim Inzest spricht. Ein zerstörtes Vertrauen zu den geliebten primären Bezugspersonen löst oft irreparable Schäden aus: Es zerstört die Intimsphäre; lässt Fluchtreflexe entwickeln und zerstört Selbstwertgefühle. Die Korrelation von Macht und Sexualität durch den Täter/die Täterin verhindern, dass sich das Opfer als sexuelles Wesen akzeptieren kann. Ein therapeutisches Ziel für Inzestopfer ist in der Gewinnung von positiven Selbstwertgefühlen zu sehen, die erlauben, die Schuld dem Täter zuzuordnen und eigene Schamgefühle zuzulassen, um Intimität erleben zu können.

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