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Täter-Opfer-Polarisierungen im Hilfesystem
Gegenwärtig lässt sich ein deutlicher Trend erkennen, wonach Einrichtungen für jugendliche Sexualtäter offensiv gefördert werden. Eine Sozialplanung, die Opferhilfeeinrichtungen vor allem für Mädchen und Frauen vorsieht und Täterhilfe auf eine ausschließlich männliche Klientel ausrichtet, läuft Gefahr, stereotype Annahmen über das Geschlechterverhältnis zu reproduzieren und somit bestimmte Risikogruppen aus dem Hilfesystem auszuschließen.
Politisch scheint man derzeit vor allem daran interessiert zu sein, Gewaltphänomene durch gezielte Arbeit mit Tätern in den Griff bekommen zu wollen. Die Entwicklung spezieller Täterprogramme im Sinne der Rückfallprophylaxe ist sicherlich sinnvoll. Allerdings sollte die Konzentration auf solche Maßnahmen nicht auf Kosten der Versorgung von Opfern geschehen.
Zudem müssen sich Täterprogramme auch mit der Gefahr auseinandersetzen, als Feigenblätter für gesellschaftliche Bedingungen, denen die Produktion von Gewaltverhältnissen innewohnt, benutzt zu werden. Die Bekämpfung von Gewalt läuft ins Leere, wenn sie rein symptomorientiert ausgerichtet ist. Die strukturelle Verleugnung männlicher Verletzbarkeit und Hilfebedürftigkeit reduziert die Chancen auf eine nachhaltig wirksame Gewaltprävention (Lenz, 2007).
Literatur:
Lenz, H.-J. (2007). Gewalt und Geschlechterverhältnis aus männlicher Sicht. In: S.B. Gahleitner & H.-J. Lenz (Hrsg.), Gewalt und Geschlechterverhältnis. Interdisziplinäre und geschlechtssensible Analysen und Perspektiven, (S. 21 –51). Weinheim und München: Juventa.
Autor: Dr. Peter Mosser
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