Seiteninhalt
Sexuelle Übergriffe unter Kindern
Seit einigen Jahren ist eine zunehmende Häufung von Berichten über sexuelle Übergriffe zwischen Kindern im Vor- und Grundschulalter zu beobachten. Es ist noch unklar, ob in dieser Zunahme eine sensibilisierte Wahrnehmung erwachsener Bezugspersonen (v.a. Erzieherinnen in Kindertagesstätten, Lehrkräfte) zum Ausdruck kommt oder ob es sich tatsächlich um eine besorgniserregende Entwicklung dahingehend handelt, dass aggressive Verhaltensweisen auch bei sehr jungen Kindern zunehmend in Kombination mit einer sexuellen Komponente auftreten.
Jedenfalls macht es dieses Phänomen erforderlich, sehr genaue Unterscheidungen zu treffen zwischen gesundem sexuellem Verhalten von Kindern einerseits und solchen Aktivitäten, die (potentiell) schädigende Auswirkungen nach sich ziehen. Sexuell auffälliges Verhalten stellt in jedem Fall einen Auftrag dar, möglichen Belastungen, denen diese Kinder ausgesetzt sein könnten, auf den Grund zu gehen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder selbst sexuellen Misshandlungen ausgesetzt sind, muss in jedem Fall in Betracht gezogen werden, insbesondere dann, wenn das sexualisierte Verhalten in sehr intensiver Form auftritt und resistent gegen pädagogische Interventionen ist.
Obwohl es Hinweise gibt, dass sich unter den sexuell aggressiven Kindern ein relevanter Anteil an Mädchen befindet (Araji, 1997), ist vor allem damit zu rechnen, dass eine sensibilisierte Wahrnehmung dieser Problematik dazu führen kann, dass die Belastungen betroffener Jungen verstärkt ins Blickfeld geraten. In einem Entwicklungsstadium, in dem es unangemessen wäre, von kindlichen „Tätern“ zu sprechen, geht es vor allem darum, das auffällige Verhalten als Symptom zu betrachten, das ein erstes Signal für die Aufdeckung eines sexuellen Missbrauchs darstellen kann.
Literatur:
Araji, S.K. (1997). Sexually Aggressive Children. Thousand Oaks, CA: Sage Publications.
Freund, U. & Riedel-Breidenstein, D. (2004). Sexuelle Übergriffe unter Kindern. Handbuch zur Prävention und Intervention. Köln: Mebes & Noack.
Romer, G. (2002). Kinder als “Täter”. In Bange, D. & W. Körner (Hrsg.) Handwörterbuch Sexueller Missbrauch (S.270-277). Göttingen: Hogrefe.
Autor: Dr. Peter Mosser
Druckansicht »