Pornografie
Eine einfache Definition, was Pornografie bedeutet gibt es nicht. Sicher ist jedoch, dass es sich bei diesem Begriff nicht um Sexualität oder deren Abbildung dreht, sondern um eine inszenierte Sexualität, also ein gezielt hergestelltes Produkt. Dieses Produkt ist heute über das Internet quasi uneingeschränkt und größtenteils kostenlos verfügbar. Durch diese neue Verbreiterungsbasis hat sich auch die Art der Pornografie verändert. Heute sind viele Angebote härter und mechanischer als noch vor 20 Jahren. Dies und die hohen Nutzerzahlen tragen zu einer regen Diskussion über den Pornografiekonsum Jugendlicher bei.
Generation Porno !?
Der Begriff „Generation Porno“ ist spätestens seit der Veröffentlichung des gleichnamigen Buches von Johannes Gernert im Jahr 2010 nicht mehr aus den Medien wegzudenken. Er ist verbunden mit anderen Schlagwörtern, wie „sexueller Verwahrlosung“ oder der „sexuellen Verrohung“. Fakt ist, dass die sexuelle Entwicklung der Jugendlichen sich verändert hat, auch durch den unbegrenzten sowie freien Zugang auf Pornografie im Internet. Durch diesen haben sich, gefördert durch die Medien, u.a. folgende Ängste bezüglich möglicher Langzeitfolgen für Jugendliche entwickelt:
- Verfrühter Geschlechtsverkehr
- Entstehung und Vertiefung geschlechtsbezogener Klischees
- Entwicklung frauenverachtender Einstellungen
- Sexuelle Gewaltanwendungen
- Sexueller Leistungsdruck
- Liebesverlust
- Beeinträchtigtes Sozialverhalten
Diese Annahmen lassen sich wissenschaftlich nicht belegen. Sozialwissenschaftliche Studien konnten bisher keine explizite Wirkung zwischen dem Pornografiekonsum Jugendlicher und ihrem Sozialverhalten erkennen lassen. Geschlechtsverkehr vor dem 14. Lebensjahr stellt auch heute noch eine Ausnahme dar und das Alter des ersten Sexualkontakts steigt seit 2005 wieder an. Auch wenn die oben beschriebenen Ängste einer starken Übertreibung gleichkommen und man nicht von einer Generation Porno sprechen kann, bleibt Lehrern und Pädagogen ein breites Arbeitsfeld. Jugendliche werden heutzutage stark mit Pornografie konfrontiert und die Aufgabe, die Realität vom Gesehenen zu unterscheiden kann problematisch werden. So bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten für Sprach- und Reflexionsarbeit.
(Vergleiche: Let`s talk about Porno. Arbeitsmaterialien für Schule und Jugendarbeit; klicksafe.de)
Siehe dazu: Tipps zum Umgang mit Pornografie in der pädagogischen Praxis.
Arten von Pornografie
Jugendliche treffen im Internet auf verschiedene Arten von Pornografie. Sie unterscheiden dabei selbst zwischen (vgl. Grimm 2010: Studie Porno im Web 2.0)
- Striptease,
- „normalem Geschlechtsverkehr“,
- Lesben,
- Masturbation,
- „unnormalen Sexualpraktiken“,z.B. Sex mit Tieren oder „Ekelsex“, bei dem Fäkalien oder Erbrochenes im Spiel sind,
- gewalttätigen Sexualpraktiken,z.B. Sado Maso oder andere Praktiken, bei denen jemandem weh getan wird,
- Snuff-Pornografie,bei der es um Sexualpraktiken geht, die zu ernsthaften, irreversiblen Schäden oder zum Tod führen, und
- Kinderpornografie
Nutzung durch Jugendliche
Der Zugang Jugendlicher zu pornografischen Internet-Inhalten erfolgt auf verschiedenen Wegen. Einerseits werden pornografische Inhalte absichtlich angeklickt und aufgesucht, andererseits treffen Jugendliche auch ungewollt auf Pornografie.
Die absichtliche Nutzung von Pornografie erfolgt durch Tipps von Freunden und Bekannten, über Werbung und die gezielte Suche nach Pornoangeboten. Dabei werden hauptsächlich kostenlose Angebote, wie sie z.B. auf youporn.com, redtube.com oder xvideo.com zu finden sind, genutzt. Auch auf Schulhöfen kann ein Kontakt mit pornografischen Inhalten erfolgen, etwa dann, wenn auf Handy Pornovideos verschickt oder gezeigt werden
Die ungewollte Konfrontation mit Pornografie kann z.B. durch Popups geschehen, die sich auf verschiedenen Internetseiten beim Herunterladen von Filmen und Spielen öffnen (vgl. Grimm 2010, S. 59ff.).
Im Folgenden werden die Ergebnisse der Studie „Porno im Web 2.0“ vorgestellt, welche sich auf die Bedeutung pornografischer Inhalte für Jugendliche konzentriert (vgl. Grimm 2010).
Die weiblichen Befragten lassen sich bezüglich der Nutzung von Pornografie in zwei Gruppen einteilen lassen:
- Pornos ablehnende Mädchen und
- Porno-tolerierende Mädchen.
Die Porno-ablehnenden Mädchen assoziieren Pornos häufig mit den Begriffen „eklig“ und „wiederlich“ (ebd. S. 161). Eine gewisse Toleranz zeigen sie gegenüber pornografischen Darstellungen auf Seiten wie Youporn und Redtube, da diese ausschließlich für den Pornokonsum angelegt wurden. Im Gegensatz dazu werden pornografische Inhalte im SchülerVZ und bei Youtube abgelehnt, weil dieser Raum zum Schutz der Kinder und Jugendlichen frei von Pornos bleiben soll. Befragte dieser Gruppe konsumieren keine Pornografie. Sie sind gegenüber Pornos eher kritisch eingestellt und reflektieren diese Einstellung. Auch befürworten sie ein generelles Verbot derartiger Angebote (ebd., S. 205).
Die Porno-tolerierenden Mädchen reagieren gegenüber Pornos „abgeklärt“ und unaufgeregt. So sagt ein Mädchen: „Ist jedem bloß seine Sache, was er macht“(ebd., S.165).
Im Gegensatz zu den befragten Mädchen, konsumieren die Jungen deutlich mehr Pornos. Es gibt unter den Befragten männlichen Teilnehmern der Studie "Porno im Web 2.0" keinen Jungen, der sich keine Pornos ansieht. Bei einigen Jungen führt der unreflektierte Konsum von Pornos dazu, dass Pornos jeden Tag angesehen werden.
Prävention
Die Gründe für eine Thematisierung von Pornografie und sexualisierten Medieninhalten im Unterricht sind zahlreich, jedoch ist didaktisches Material, das Lehrerinnen, Lehrer und pädagogische Fachkräfte unterstützt, kaum vorhanden.
Unabhängig davon, ob man Pornografie als positiv oder negativ bewertet, sollte man Kinder und Jugendliche nicht mit diesem Thema alleine lassen, sondern ihnen helfen einen verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit Pornografie zu erlernen.
Ein Angebot an Orientierung und offener Gesprächsführung kann Jugendliche in ihrer Sexualität stärken und ist somit durchaus eine Aufgabe für die Schule.
Mittlerweile haben glücklicherweise einige Projekte hilfreiche sowie altersgerechte Materialien zum Thema konzipiert.
Präventionsmaterialien
Projekte ab 12 Jahren
(Arbeitsblätter und Unterrichtsmaterialien)
Klicksafe.de ist ein Zusammenschluss der EU-Initiative klicksafe, pro familia Bayern und des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg. Dort finden sich unter anderem Berichte und Informationen zu Themen wie Cyber-Mobbing, Soziale Netzwerke und Pornografie. Auch Unterrichtsmaterialen werden angeboten, wie zum Beispiel das neu erschienene Arbeitsheft „Let`s talk about Porno“ .
In diesem Heft wird gezeigt, wie man sich als Erwachsener auf Gespräche über Sexualität vorbereiten kann, außerdem werden Anleitungen für die Kommunikation gegeben, sowie praktische Projekte und Materialien zur Arbeit mit den Schülern vorgestellt. Thematisiert werden beispielsweise sexualisierte Kommunikation, Schönheitsideale unserer Gesellschaft und Pornografie im Netz.
Projekte ab 13 Jahren
(Projektbeispiel)
Mit schule.loveline.de stellt Ihnen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kostenlos umfangreiche Informationen, aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis sowie Materialien und Methoden für die fächerübergreifende Sexualerziehung zur Verfügung. Viele Lehrer sind beim Thema Pornografie und Sexualität im Unterricht verunsichert und wissen nicht, wie sie mit den Jugendlichen arbeiten können. Bei Projekten, wie „BALANCE e.V. - Neue Medien in der Sexualerziehung“ können sich Lehrer daher Hilfestellung durch andere Pädagogen holen.
In geschlechtsgetrennten Gruppen erarbeiten Schülerinnen und Schüler, begleitet von einem jeweils gleichgeschlechtlichen Pädagogen, ihre Themen und Fragestellungen. Durch die Einbindung der neuen Medien (PC, Beamer, Internet) wird den Schülerinnen und Schülern gezielt die fachlich sichere Informationsquelle loveline.de im Netz gezeigt und die selbständige Auseinandersetzung mit dieser unterstützt. Die sich aus der Beschäftigung mit dem Portal ergebenden Themen und Fragen können durch die Pädagogen/Pädagoginnen in der "Face to Face" - Unterrichts- und Beratungssituation inhaltlich vertieft und mit den Jugendlichen diskutiert werden. Inhalte sind dabei u.a. Erotik im Internet, Jungenfragen - Mädchenfragen (Das erste Mal, Jungfräulichkeit, Beziehung, Verhütung) und Körperwissen.
Hinweis: Das beschriebene Projekt erfolgte in außerschulischem Rahmen. Die angewandten Module und Methoden sind dennoch auf den Unterricht oder einen Projekttag in der Schule übertragbar
Projekte ab 14 Jahren
(Film)
www.medienprojekt-wuppertal.de
Das Medienprojekt Wuppertal konzipiert und realisiert seit 1992 erfolgreich Modellprojekte aktiver Jugendvideoarbeit. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich das »Medienprojekt« zur größten Jugendvideoproduktion in Deutschland. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14–28 Jahren werden (im Rahmen von pädagogischen Institutionen oder privat organisiert) produktorientiert bei ihren eigenen Videoproduktionen unterstützt. Nach dem Motto »Jugendliche klären am besten Jugendliche auf« thematisieren die Projekte verschiedenste Inhalte, wie Depressionen, Körpergewicht und Religion. Mit Pornografie setzt sich unter anderem der Dokumentarfilm „Geiler Scheiß“ auseinander.
Jugendliche reflektieren offen ihren Umgang mit Pornografie im Internet, auf DVDs und in Zeitschriften. Junge Pornografiekonsumenten, Experten und Kritikerinnen kommen zu Wort. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis zwischen Pornografie, Sexualität und Moralvorstellungen. Welche Gefahren sehen sie für sich und andere und welche Bedeutung haben Altersbeschränkungen und Verbote für sie, in welchem Zusammenhang steht Pornografie zu ihrer eigenen Sexualität und wie sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede. Da keine Ausschnitte aus Pornos, bzw. nur verzerrte Bilder gezeigt werden, kann der Film im Unterricht besprochen werden.
Projekte ab 14 Jahren
(Film)
Sexwecan.at bietet ein Medienpaket, dass Lehrer im Themenbereich Sexualpädagogik unterstützt und bietet gleichzeitig Jugendlichen die Möglichkeit, sich dem Thema Aufklärung zu widmen. Zentraler Teil dieser Sammlung ist „Sex we can?!“, ein Aufklärungsfilm für Jugendliche im Alter von 14-16 Jahren. Er verknüpft Information, Gefühlswelt und Didaktik, ohne dabei belehrend zu wirken. Der Film ist komplett computeranimiert und erzählt von der ersten Liebe und dem ersten mal zweier Jugendlicher. Auch ein Begleitheft mit Fachtexten ist vorhanden.
Text erstellt von Lina Berling und Sandra Stein
Unterrichtsmaterialien zu Generation Porno / Jugend, Sex, Internet von Johannes Gernert
sachbuch.fackeltraeger-verlag.de/data/Generation_Porno_Unterrichtseinheit.pdf
Entstanden ist dieser Unterrichtsentwurf auf der Grundlage des Buches Generation Porno (Johannes Gernert, Generation Porno. Jugend, Sex, Internet, Fackelträger Verlag, Köln 2010), in dessen Mittelpunkt Darstellung von Pornografie in den Medien und deren Konsum durch Jugendliche steht. Aktuelle Studien zeigen, dass die Mehrheit der Jugendlichen schon Pornografie konsumiert hat – sei es über Handybilder, durch Rap-Songs oder im Internet. Ziel der vorliegenden Ausführungen ist, durch ein fachübergreifendes Unterrichtskonzept Lehrern Handlungsperspektiven und Lösungsmöglichkeiten an die Hand zu geben, die die Kompetenz der Jugendlichen erhöhen sollen, pornografische Internetseiten einzuordnen und zu bewerten.




