Sexuelle Belästigung im Chat
Begriffsbestimmung
Catarina Katzer (2010) von der Initiative Chatgewalt differenziert zwischen leichten und schweren Formen sexueller Viktimisierung im Chat (vgl. S. 184). Zu den leichten Formen sexueller Viktimisierung gehört die unerwünschte Kommunikation über sexuelle Themen. Dem Bereich der schweren Formen sexueller Viktimisierung sind Vorkommnisse, wie z.B. das unerwünschte Erhalten pornografischen Materials oder die Aufforderung zu sexuellen Handlungen vor der Webcam zugeordnet.
Im Zusammenhang mit sexueller Belästigung im Chat ist oft von „Onlinegrooming“ die Rede. Darunter wird ein Vertrauensaufbau über das Internet verstanden, mit dem Ziel in der realen Welt einen sexuellen Übergriffs zu initiieren (vgl. Katzer 2010, S. 185).
Täter können über das Internet gezielt an Kinder herantreten, sich selbst als Gleichaltrige tarnen und ihr Vertrauen ausnutzen. Dies kann in sexuelle Übergriffe münden (vgl. Katzer 2010, S. 181).
Häufigkeiten des Vorkommens
In einer Untersuchung von Katzer (2010) wurden Minderjährige befragt, ob sie gegen ihren Willen im Chat mit sexuellen Inhalten konfrontiert oder zu sexuellen Handlungen aufgefordert wurden. Im Rahmen der Studie konnten folgende Häufigkeitsangaben festgestellt werden:
Leichte Formen sexueller Viktimisierung
- Mit dem Minderjährigen über Sex zu reden (Mädchen 48,1%; Jungen 25%),
- Fragen nach dem Aussehen des Körpers (Mädchen: 32,5%; Jungen:8,1%)
- Fragen bezüglich der sexuellen Erfahrungen (Mädchen: 34,1%; Jungen:16,0%),
- Aufforderung, von eigenen sexuellen Erfahrungen zu erzählen (Mädchen:26,8%; Jungen:6,4%).
Schwere Formen sexueller Viktimisierung:
- Zusendung von Nacktfotos (Mädchen: 9,1%; Jungen: 13,0%),
- Zusendung von Pornofilmen (Mädchen: 2,8%; Jungen: 7,0%)
- Aufforderung zu sexuellen Handlungen vor der Webcam (Mädchen: 10,6%; Jungen: 5,0%).
Quelle: Katzer, C. (2010): Tatort Internet – Sexuelle Gewalt in den neuen Medien. In: Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutzzentren e.V. (Hrsg.), Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Köln, ohne Verlagsangabe.
Intervention
Im Portal chatten-ohne-risiko.de finden sich die folgenden Hinweise zur Intervention:
Sexuelle Belästigung im Internet ist strafbar. Wie im offline-Leben kommt es aber darauf an, den Vorfall auch beweisen zu können. Deshalb ist sofortige Reaktion wichtig:
Der Vorfall muss so genau wie möglich dokumentiert werden (Datum, Uhrzeit, Chatname, Raumname, Nickname, Screenshot des Gesprächs).
- Der Chat-Anbieter muss sofort informiert werden. Er muss den Belästiger möglichst dauerhaft sperren.
- Bei der Polizei muss Anzeige erstattet werden.
Die Website www.save-me-online.de ist eine Anlaufstelle, bei der sich Kinder und Jugendliche per E-Mail beraten lassen oder in einem Chat Fragen stellen können.
Prävention
Im Bereich der Präventionsmaterialien kann zwischen Infomaterialien für Eltern und Lehrer und solchen speziell nur für Lehrkräfte unterscheiden werden.
Im Portal chatten-ohne-risiko.de finden sich am rechten Bildschirmrand in einem Infokasten gute Tipps, wie Kinder Kontakte im Chat gestalten sollten („Sicherheitstipps für Kinder“), um sicher vor sexuellen Belästigungen zu sein. Auch für Eltern finden sich in einem weiteren Infokasten wichtige Informationen („Tipps für Eltern“).
Broschüren und Flyer für die Präventionsarbeit:
http://www.chatten-ohne-risiko.net/?id=112.
Sicherheitstipps für Mädchen finden sich auch bei feminavita unter http://www.feminavita.de/sicher_im_netz.php.
Präventionsstrategien/Chatregeln
vgl. chatten-ohne-risiko.de/index.php
Begleiten sie Ihre Kinder!
Eltern sollten Interesse an den Chat-Aktivitäten ihrer Kinder zeigen und sich mit ihnen über das Chatten unterhalten.
Vermitteln Sie die wichtigsten Sicherheitsregeln!
- Check den Chat! In guten Chats gibt es z.B. immer Moderatoren.
- Sei misstrauisch, denn du weißt nicht, wer da am anderen Ende sitzt!
- Gib nie persönliche Daten preis und verschicke keine Bilder von dir! Du weißt nicht, was der andere damit anstellt.
- Triff dich nicht mit Leuten aus dem Chat! Man kann nie wissen, wer der andere wirklich ist.
- Brich unangenehme Dialoge ab! Benutze den Ignore-Button und bitte einen Moderator um Hilfe, denn damit kannst du auch andere schützen.
- Sprich mit deinen Eltern über unangenehme Erfahrungen!
Treffen Sie Vereinbarungen!
Eltern sollten zusammen mit ihren Kindern geeignete Chats aussuchen. Kinder unter 13 Jahren gehören in einen sicheren Kinder-Chat. Feste Chat-Zeiten sollten vereinbart werden.
Prüfen Sie den Lieblings-Chat Ihres Kindes!
Ein sicherer Chat sollte mindestens über folgende Funktionen verfügen:
Ein Moderator sollte als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, mit einer Ignore-Funktion sollten Störer stumm geschaltet werden können, mit einem Notfall-Button sollte sofort ein Moderator gerufen werden können. Der Chat sollte niemandem die Möglichkeit geben, anonym bzw. ohne Registrierung daran teilzunehmen.
Präventionsmaterialien
Präventionsmaterialien sollen über die Möglichkeiten des Internet,s aber auch über die Gefahren und ihre Vermeidung informieren. Die Materialien sind dabei in der Regel alters- und zielgruppengerecht für Schüler und Schülerinnen, für Eltern und / oder pädagogisches Fachpersonal konzipiert.
Die Materialien verfolgen unter anderem folgende Ziele:
- Erweiterung des Wissens über das Internet und Chats,
- Reflexion des eigenen Verhaltens,
- Sensibilisierung für Gefahren,
- u.v.m
Quizze und spielerisch vermittelte Informationen
Die Seite surfen-ohne-risiko.net enthält viele Materialien, mit denen Informationen zum Thema Surfen, Chatten und Spielen im Internet vermittelt werden.
In kleinen Quiz-Spielen können Eltern gegen Kinder antreten und ihre Kenntnisse erweitern und vertiefen. So werden z.B. verschiedene mögliche E-Mail-Adressen vorgestellt, denen Beurteilungen wie „nicht gut – Geburtsjahr erkennbar“ oder „gut – Fantasiename“ zugeordnet werden müssen.
Comics
Auf der Seite http://www.internauten.de finden sich viele Informationen über den Umgang mit dem Internet und die Vermeidung von gefährlichen Situationen. Vieles ist in ansprechenden Comics gestaltet. So führt z.B. der Comic „Die falsche Paula“ vor, wie ein naiver Junge auf einen älteren Mann hereinfällt, der sich im Chat als „Paula12“ ausgibt.
Plakate mit Netzregeln
Unter http://jugendschutz.net/pdf/Surfen_ohne_Risiko_Plakat.pdf können Sie sich ein Plakat mit wichtigen Netzregeln für Kinder und Erwachsene herunterladen. Die Regeln für Erwachsene und die für Kinder sind farblich unterschiedlich gestaltet.
Informationsbroschüren
Im Portal chatten-ohne-risiko.de gibt es neben Informationen für Kinder und Jugendliche zusätzlich einen extra Erwachsenenbereich. Im Kinder- und Jugendbereich finden sich ebenso wie im Erwachsenenbereich Flyer mit Chatregeln. Ein Chat-Finder gibt eine Übersicht über geprüfte Chats.
Weitere Informationen finden Sie hier:
jugendschutz.net/pdf/Surfen_ohne_Risiko_Kinderteil.pdf
Präventionstheater
Speziell für Schulen sind Aufklärungsprojekte gedacht, wie das Theaterstück „click it“ von Zartbitter, das über Cybermobbing und sexuelle Gewalt im Internet aufklärt.
Text erstellt von Sandra Stein
