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Resilienz
Resilienz und Prävention
Zum Zusammenhang von Resilienz und Prävention bemerken Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse:
„Die Ergebnisse der Resilienzforschung machen immer wieder deutlich, dass frühzeitige (und damit präventive) Unterstützung und Förderung wesentlich dazu beitragen, die Entwicklung von Kindern nachhaltig zu beeinflussen. Schutz- und Resilienzfaktoren beeinflussen diesen Prozess positiv. So ist es nicht verwunderlich, dass Resilienz und Prävention oft gemeinsam genannt werden. Programme, die Resilienz fördern und entwickeln, sind in der Regel auch Präventionsprogramme“ (2009, S. 57).
Voraussetzung für präventive Maßnahmen ist das Wissen um die widrigen Lebens-umstände, Belastungen und Risiken, die Kinder gefährden und um die Schutzfakto-ren, die es ihnen dennoch ermöglichen, Widerstandsfähigkeit zu entwickeln. Ebenso wichtig ist aber auch zu erforschen, wie solche Maßnahmen aussehen müssen, um präventiv tauglich zu sein und Resilienz fördern und stärken zu können.
Die eine gesunde kindliche Entwicklung gefährdenden Lebensverhältnisse sind aus der Defizitforschung hinlänglich bekannt. Dazu zählen u.a.
- die Risikofaktoren Armut, Vernachlässigung, psychisch kranke, drogen- und/oder alkoholabhängige Eltern sowie Erfahrungen der Kinder mit Miss-handlungen aller Art.
- Weitere Risikofaktoren sind anhaltende extreme Stressbedingungen wie chronische Krankheiten oder Behinderungen der Kinder.
- Aber auch traumatische Erfahrungen wie Naturkatastrophen, Kriegserlebnis-se, Tod eines nahe stehenden Menschen und Erleben von Gewalt und sexueller Gewalt sind Risikofaktoren für Kinder.
Der o.g. Perspektivwechsel bewirkte einen Wechsel von der Defizit- zur Ressourcenperspektive. Nicht mehr die Risiken, die im Umfeld des Kindes für seine Entwicklung gesehen werden, stehen im Mittelpunkt des Interesses, sondern die Analyse von vorhandenen oder fehlenden Ressourcen und möglichen Schutzfaktoren. Auch wenn sich die theoretische Blickrichtung und damit das Erkenntnisinteresse mit den resultierenden Fragestellungen verändert haben, muss immer folgendes im Bewusstsein bleiben:
„Als zentraler Leitsatz des Resilienzkonzepts gilt, dass Resilienz sich nur in der Bewältigung von (Lebens-)Risiken zeigt. Daher bildet die konkrete Bedrohung durch Risiken weiterhin die eine Seite der Medaille, wenn wir auf der Suche nach dem Resilienzphänomen sind. Insofern waren und sind wissenschaftliche Forschungen, die solche Risiken ausgemacht und ihre Wirkungen untersucht haben, eine notwendige Voraussetzung für den…Paradigmenwechsel“ (Zander 2008, S. 30).
Sie sind aber nicht nur als Voraussetzung für den Paradigmenwechsel zu verstehen, sondern auch als notwendiges Grundlagenwissen für den nun geänderten Blick auf die Stärken des Kindes und auf die Resilienz fördernden Schutzfaktoren in seinem Umfeld.
Als Schutzfaktoren gelten dabei
- schützende Faktoren in der Familie. Sie spielen eine bedeutende Rolle für die kindliche Entwicklung. Kinder, die in höchst problematischen Familien aufwachsen, aber dennoch eine sichere Bindung mit mindestens einer kompetenten und stabilen Person innerhalb oder außerhalb der Familie entwickeln können, die auf ihre Bedürfnisse eingeht, haben die Chance, Vertrauen und Selbstbewusstsein als Grundlage für Resilienz, aufbauen.
- lebensbegünstigende Eigenschaften des Kindes sind ebenfalls wichtig für Resilienz, vorausgesetzt, sie können sich entfalten. Schon als Baby sind sie aktiv, gutmütig, liebevoll und haben ein hohes Antriebsniveau; als Kleinkind sind sie gesellig und ausgeglichen; zur Einschulung dann zeigen sie große Selbstständigkeit; als Schulkinder kennzeichnet sie Leistungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit. Hier ist besonders zu beachten, dass diese „Tempera-menteigenschaften“ nicht auf genuine Persönlichkeitsmerkmale zu verkürzen sind. Sie sind vielmehr auf unterstützende Interaktionen im sozialen Umfeld angewiesen, um sich entwickeln zu können.
- Schützende Faktoren in der Gemeinde helfen darüber hinaus Risiko-Kindern, eine positive Lebensperspektive zu entwickeln. Die widerstandsfähigen Kinder wenden sich z.B. Verwandten, Freunden, Nachbarn zu, bei denen sie sich Trost und Hilfe holen, aber auch Lehrern und Lehrerinnen, die für sie positive Rollenmodelle, soziale Vorbilder sind (nach Werner 2007, vgl. auch Luthar, 2000, Wustmann 2004, Weiß, 2007 sowie Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse 2009).
Im „Konzert“ mit einem schützenden Umfeld führt die individuelle Disposition resiliente Kinder also dazu, sich „eine Umwelt auszuwählen, die sie schützt und ihre Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein verstärkt“ (Werner 2007, S. 25). Wichtig ist auch hier die Interaktion zwischen Kind und einem protektiven Umfeld.
Darüber hinaus haben sich resiliente Kinder oft auch schon sehr früh Leistungsan-forderungen stellen und Verantwortung übernehmen müssen und dann diese Her-ausforderungen bewältigt. Sie konnten sich so als kompetent und belastbar erfahren und ihr Selbstbewusstsein, ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstwirksamkeit stärken.
Da diese Kinder in schwierigen Lebensverhältnissen aufwachsen, muss beachtet werden, dass sich die Balance zwischen Stress erzeugenden Lebensereignissen und stärkenden Schutzfaktoren immer wieder verändern kann und sich meist auch im individuellen Lebensverlauf verändert. Das Gleichgewicht kann sich z.B. durch neue Krisensituationen verschieben. Es ist außerdem sowohl vom Lebensabschnitt, vom Geschlecht des Kindes als auch vom kulturellen Kontext abhängig.
Resilienz ist ein Prozess der Wiederherstellung der Balance zwischen Stressoren und Schutzfaktoren durch konstruktive Krisenbewältigung. Resilienz zeigt sich auch nur in der Art und Weise solcher Krisenbewältigungen. Resilienzorientierte Präventi-onsprogramme müssen demnach zuvörderst eine Stärkung der Schutzfaktoren zum Ziel haben.
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