Resilienz

Herkunft des Resilienz-Konzepts

Der Begriff Resilienz wurde zuerst über eine Studie der amerikanischen Entwick-lungspsychologin Emmy E. Werner und ihrem Team bekannt. Sie verfolgten 40 Jah-re lang die Entwicklungsverläufe von fast 700 Kindern, die 1955 auf der Hawaii-Insel Kauai geboren wurden. Etwa ein Drittel von ihnen wuchs unter schwierigsten und für ihre Entwicklung höchst riskanten sozialen Bedingungen auf. Werner und ihr Team fanden, dass etwa zwei Drittel dieser „Risiko-Kinder“ höchst problematische Entwicklungsverläufe nahmen. Ein Drittel der Risiko-Kinder jedoch wuchs, unbeschadet dieser widrigen Ausgangsbedingungen, zu kompetenten, psychisch gesunden und stabilen, leistungsfähigen und zuversichtlichen Erwachsenen heran. Sie erwiesen sich als resilient gegenüber den Entwicklungsrisiken, die ihr Umfeld barg. Diese und andere Studien aus der Pionierphase begründeten eine neue Forschungsrichtung, die Resilienzforschung.

Das Resilienz-Konzept spielt seit den Neunzigerjahren in der theoretischen Diskussion und in der empirischen Forschung der Humanwissenschaften, besonders der Psychologie, eine zunehmend wichtige Rolle. Heute gibt es kaum noch eine wissenschaftliche Veröffentlichung zur Entwicklung von Kindern, in der dieser Begriff nicht verwendet, erläutert, diskutiert, differenziert oder kritisiert wird. Das Resilienz-Konzept hat Konjunktur. Das Thema Resilienz taucht „inzwischen auch in der Populärliteratur (…) und sogar in den Ratgebersparten der yellow press (…) auf“ (Fingerle 2007, S. 299), wie auch im Jahr 2009 in seriösen Magazinen wie DER SPIEGEL und STERN. Trotz dieser scheinbaren „Allgegenwart“ des Konzepts sind in der interessierten Öffentlichkeit oft Missverständnisse erkennbar, die u.a. aus einer unkritischen Rezeption des Resilienzkonzepts und der Resilienzforschung resultieren.

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