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Resilienz
Erweiterte Definition nach heutigen Erkenntnissen
Resilienz ist nicht als individuelle Eigenschaft zu verstehen, sondern als eine Fähigkeit, die sich im Verhalten der Personen und ihren Lebensmustern (life patterns) manifestiert. Sie ist also „kein angeborenes, stabiles und generell einsetzbares Persönlichkeitsmerkmal“ (Weiß 2007, S. 158), sondern das Ergebnis eines Prozesses, der sich in der Interaktion zwischen dem Individuum und seiner Umwelt vollzieht. Mit anderen Worten:
„Sie entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit widrigen situations- und lebensbereichsspezifischen Bedingungen auf der Grundlage und im Austausch mit Schutzfaktoren, auf die das Individuum in seiner Interaktion mit der Umwelt zugreifen kann“ (Weiß 2007, S. 159).
Wichtig ist also die Erkenntnis, dass sich Resilienz nicht trotz widriger Umstände (wie z. B. Armut oder Erfahrungen mit sexueller Gewalt) entwickelt, sondern wegen der Herausforderungen, die diese negativen Bedingungen für die Entwicklung eines Kindes bergen und mit denen es sich auseinandersetzen muss.
Voraussetzung für die Bewältigung solcher Herausforderungen ist das Vorhanden-sein von Schutzfaktoren im Umfeld, auf die das Kind zurückgreifen können muss. Auf widrige situations- und lebensbereichspezifischen Bedingungen und Schutzfaktoren wird weiter unten noch einzugehen sein. In diesem Interaktionspro-zess muss das Kind also immer im Kontext seiner Entwicklungsbedingungen und Lebensverhältnisse betrachtet werden (vgl. Zander 2008).
Resilienz ist somit ein dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess, eine variable, relationale (bezogen auf schwierige Lebensumstände und schützende Faktoren) und relative Größe, d.h., es gibt keine absolute Invulnerabilität (Unverletzlichkeit), sondern immer nur eine mehr oder minder hohe Wahrscheinlichkeit resilienten Verhaltens.
Resilienz ist aber auch situationsspezifisch und multidimensional. So ergaben z.B. Untersuchungen, dass Kinder, die in einem chronisch konflikthaften Elternhaus aufwuchsen, sich in ihrer schulischen Kompetenz resilient, viele von ihnen – jedoch nicht alle - aber hinsichtlich ihrer sozialen Kompetenz höchst verletzlich (vulnerabel) zeigten. Resilienz umfasst demnach ein hochkomplexes Zusammenspiel aus individuellen Merkmalen eines Kindes und seiner Umwelt.
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