Präventionsbausteine

Heute fest in der Präventionsarbeit verankert sind die folgenden inhaltlichen Schwerpunkte, die sich im Rahmen der Veränderung der Präventionsansätze für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen herauskristallisiert haben.

Als Reaktion auf die gezielten Strategien der MissbrauchstäterInnen und deren oft nahezu identischen Vorgehensweisen, mit denen der Kontakt zum Kind aufgebaut, das Kind gefügig gehalten und am Reden gehindert wird, wurden sechs zentrale Themen für die präventive Arbeit entwickelt.

Die genannten Präventionsbausteine beziehen sich weitgehend auf den Primar- und Sekundarbereich. (siehe Projekte) Präventive Arbeit mit älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfordert eine altersspezifische Differenzierung der Präventionsbausteine. Im Mittelpunkt der Präventionsarbeit steht mit dieser Altersgruppe die Stärkungsarbeit zur Selbstwahrnehmung. Themen wie Liebe, Beziehung, Freundschaft, Sexualität, rollenspezifisches Verhalten sind weitere Inhalte, die in der vorbeugenden Arbeit mit Jugendlichen behandelt werden. Ein wesentlicher Beitrag zur Prävention ist die Aufklärung über die Tatsache, dass es sexuellen Missbrauch gibt und dass Hilfe möglich ist.

 

Präventionsbausteine:

  • Bestimmungsrecht über den eigenen Körper. Das bedeutet, Kinder haben ein Recht darüber zu bestimmen, wer sie wann und wie anfasst. Gleichzeitig sollen sie erfahren, dass ihnen ihr Körper ganz alleine gehört und sie das Recht haben, über ihn zu bestimmen. Sie sollen ihren Körper als wertvoll und liebenswert begreifen, Wissen über ihn, sowie eine Sprache für ihn haben
  • Wahrnehmung von Gefühlen / auf die Gefühle achten
    Kinder sollen lernen, ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen, auf sie zu achten und über ihre Gefühle zu sprechen. Im Umgang mit Menschen ist das Vertrauen in die eigenen Gefühle ein grundlegender Selbstschutz. Deshalb wird in vielen Präventionsprogrammen Kindern zusätzlich vermittelt, ihren Gefühlen zu trauen. Hier gilt es allerdings zu bedenken, dass besonders in sexuellen Missbrauchssituationen Täter(innen) die Gefühle von Kindern verwirren. Denn Kinder  erleben häufig  auch sexuell angenehme Gefühle bei sexuellem Missbrauch. Kindern ausschließlich zu vermitteln, den eigenen Gefühlen zu trauen, entspricht somit nicht mehr den fachlichen Standards heutiger Präventionsprogramme.
  • Unterscheidung zwischen ‚guten‘, ‚schlechten‘, ‚komischen‘ und ,verwirrenden‘ Berührungen. Mit den Kindern wird geübt, Berührungen und deren Abhängigkeit von Personen, Situationen und Umständen einzuordnen und zu bewerten. Hierbei soll auch auf Veränderungen im Empfinden von anfänglich schönen Berührungen eingegangen werden.
  • Umgang mit Geheimnissen. Kinder müssen wissen, dass es Geheimnisse geben kann, über die sie sprechen dürfen, auch wenn es ihnen ausdrücklich verboten wird. Deshalb sollen Kinder lernen, dass es ‚gute‘ und ‚schlechte‘ Geheimnisse gibt und wie diese zu unterscheiden sind.
  • Nein-Sagen-Können und Ja-Sagen-Können: Kinder haben das Recht, Nein zu sagen, wenn sie auf eine Art angesprochen oder berührt werden, die ihnen nicht gefällt. Sie lernen, dass es aber nicht immer einfach ist, Grenzen zu setzen. Wichtig ist, dass Kinder lernen, sich für eine missglückte Grenzsetzung nicht schuldig zu fühlen. Ebenso notwendig ist die Auseinandersetzung mit beglückenden und erfüllenden Begebenheiten, Empfindungen und Berührungen, die es zu bejahen gilt.
  • Hilfe holen /Informationen über Unterstützungsangebote. Kinder benötigen Hilfe von Gleichaltrigen und Erwachsenen. Jedes Kind hat ein Recht, sich Hilfe zu holen, wenn es sich ängstigt oder sich über eine Situation ungewiss ist. Die Kinder erhalten Informationen über Personen und Institutionen, bei denen sie Unterstützung bekommen können, falls sie Hilfe benötigen. Sie erfahren, dass sie Hilfe holen und über ihre Sorgen sprechen dürfen, auch wenn es jemand ausdrücklich verboten hat. Die Schwierigkeit des Hilfe-Holens darf dabei jedoch nicht übersehen werden.

Diese einzelnen Präventionsschwerpunkte werden in der pädagogischen Praxis auf unterschiedliche Art und Weise behandelt, zum Teil werden die Themenkomplexe noch erweitert, so z. B. die Bekräftigung, dass kein Erwachsener das Recht hat, Kindern Angst zu machen, die Benennung konkreter Hilfsadressaten und die Bekräftigung, dass ein Kind niemals Schuld an einem sexuellen Missbrauch hat.

Neben den Präventionsbausteinen ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Prävention eine offensive Sexualerziehung. Kinder haben ein Recht auf eine umfassende Sexualerziehung schon in der Grundschule. Sexualerziehung unter Einbeziehung des Körpers, der Sprache und allen Sinnen ist die beste Lebenskompetenzförderung. Das Wissen um die eigene Sexualität und eine Sprache für den Körper, einschließlich der Geschlechtsteile, kann Mädchen und Jungen vor unerwünschten und zugemuteten sexuellen Übergriffen und körperlichen Berührungen schützen. Unwissende sind gefährdete Kinder, weil TäterInnen dadurch die Möglichkeit gewinnen, ihr Handeln als etwas Normales für ein Kind zu erklären.

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