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Allgemeine Informationen zum Material: 

SPIEL, LUST & REGELN. Leitfaden für Pädagog*innen zum Handeln bei sexuellen Übergriffen unter Kindern.

 

 

Titel SPIEL, LUST & REGELN. Leitfaden für Pädagog*innen zum Handeln bei sexuellen Übergriffen unter Kindern.
Herausgeber*in o. Institution Verein Selbstlaut. Gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen
Erscheinungsjahr 2009
Umfang 84 Seiten
Land Österreich
Downloadmöglichkeit http://selbstlaut.org/wp-content/uploads/2016/11/spiel_lust_regeln_leitfaden.pdf
Online Verfügbarkeit siehe Link
Preis kostenfrei
Medienformat/Format Leitfaden und Unterrichtsmaterial

Inhaltliche Beschreibung

Der Leitfaden „SPIEL, LUST & REGELN. Leitfaden für Pädagog*innen zum Handeln bei sexuellen Übergriffen unter Kindern.“ fasst den Wissensstand zum Thema sexuelle Übergriffen unter Kindern bzw. sexualisierte Gewalt durch Jugendliche für die Zielgruppe der Lehrer*innen zusammen.

 

Die ausführlichen Erläuterungen zu dem Thema ‚sexuelle Übergriffe‘ sind eingebettet in Information zur psychosexuellen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, zu den Schnittstellen ‚Sexualpädagogik‘ und ‚Gewaltprävention‘ und zu den Themen ‚Geschlechterverhältnis‘ und ‚Diversität‘. Ergänzt werden diese Informationen durch Ausführungen zu einer förderlichen pädagogischen Haltung sowie zu Präventionszielen und -botschaften. Darüber hinaus bietet das Material Informationen zu Erkenntnissen der Dynamik in Kinder- und Jugendgruppen, zu sozialen Stigmatisierungen und zu Diskriminierung.

 

Der praktische Teil enthält eine sorgfältige Auswahl an Anregungen, sich selbst als pädagogische Fachkraft mit der Thematik Sexualität, Grenzen, Selbstbestimmung und Gewalt auseinanderzusetzen. Anhand des Materials kann dies sowohl allein als auch im Team geschehen. Darüber hinaus werden vielfältige Materialien für die pädagogische Arbeit mit der Klasse oder anderen Gruppen zur Verfügung gestellt, welche jeweils bestimmte Aspekte des Themas in den Fokus rücken, z. B. Ich-Stärkung, Identität, Grenzen setzen, Gefühle.

Expert*innenkommentar zur Eignung des Materials für die primärpräventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

 

Die gewählten Schwerpunkte ‚sexuelle Übergriffe unter Kindern‘ und ‚sexuelle Gewalt durch Jugendliche‘ werden fachlich sorgfältig aufgearbeitet. Hervorzuheben ist die Unterscheidung zwischen nicht verletzend gemeinten Übergriffen im Spiel unter Kindern und absichtlichen Übergriffen sowie die altersgemäße Unterscheidung der Handlungen von Kindern und Jugendlichen. Die psychosexuelle Entwicklung, die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz usw. werden thematisiert und in ihren Auswirkungen auf die Möglichkeiten von Selbstschutz und Hilfesuche diskutiert.

 

Der Leitfaden ist gut lesbar geschrieben und enthält an vielen Stellen Verweise auf vertiefendes Material und weiterführende, aktuelle Literatur. Dadurch ist ein sehr klarer thematischer Fokus gesetzt und der Leitfaden bleibt übersichtlich ohne wichtige Informationen zu unterschlagen.

 

Die Perspektive der Betroffenen ist gut herausgearbeitet. Dabei wird eine Stigmatisierung der Betroffenen zu passiven Opfern vermieden. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass die Dynamiken der Peer-Gruppen und Klassenverbände berücksichtigt werden und das Geschlechterverhältnis sowie andere strukturierende gesellschaftliche Machtverhältnisse, die zu Abwertung und Ausgrenzung beitragen, themenübergreifend mitdiskutiert werden. Zudem wird das Zusammenwirken von unterschiedlichen Stigmatisierungen und Ausgrenzungsprozessen im Zusammenhang mit der Wahl der Opfer bei sexuellen Übergriffen verdeutlicht. Dies ist ein großer Pluspunkt für den Leitfaden.

 

Ein weiterer Pluspunkt sind die Reflexionsbögen, die weit über das übliche Präventionsmaterial hinausgehen und die pädagogischen Fachkräfte zur Auseinandersetzung auffordern und auf anregende Weise anleiten.

 

Der Leitfaden ist sehr empfehlenswert.

 

Wichtige Anmerkungen des Forschungsteams und Reflexionsleitfaden

Die Expert*innenkommentare bilden nicht die Vollständigkeit aller relevanten Aspekte ab und geben die Meinungen von Einzelpersonen wieder, die nicht die Meinung des Forschungsteams widerspiegeln müssen. Ausführliche Informationen zum Forschungsdesign finden Sie hier

 

Die Expert*innenkommentare unterscheiden sich in Länge und Gewichtung von allgemeinen und spezifischen Anmerkungen. Einige Kommentare beinhalten allgemeine kritische Anmerkungen zur Präventionsarbeit, mit Kindern und Jugendlichen als primäre Zielgruppe, die auch auf andere Materialien, im Kontext der Prävention sexualisierter Gewalt, übertragen werden können.

 

Bitte berücksichtigen Sie, dass aufgezeigte Lücken des Materials, ggfls. durch Zuhilfenahme von anderen Materialien, Modifizierungen sowie mündliche Zusatzinformationen etc. geschlossen werden können.

 

Hierfür steht Ihnen zur vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Material ein, im Forschungsprojekt entwickelter, kriteriengestützter Reflexionsleitfaden zur Verfügung. Den Reflexionsleitfaden finden Sie hier 

Informationen zum Kommentar

Die Inhaltsangaben und Expert*innenkommentare wurden von Tandems, bestehend aus Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis, vor dem Hintergrund ihrer fachlichen Perspektive vorgenommen und vom Forschungsteam redaktionell überarbeitet. mehr

Empowermentkritik

Empowerment ist ein bedeutsamer Ansatz, allerdings dürfen dabei reale Machtverhältnisse nicht ausgeblendet werden. Es besteht eine Diskrepanz zwischen subjektiv gestärkter Vorstellung von Selbstbestimmung und Wirkmächtigkeit auf der einen und realer Ohnmacht gegenüber Gewalthandlungen von Täter*innen auf der anderen Seite. Dies kann die Selbstzuschreibung von Verantwortung für die Tat und Schuldgefühle bei Opfern sexualisierter Gewalt massiv verstärken.

Diversity

Es ist wichtig Kinder und Jugendliche in ihrer Verschiedenheit und Gleichheit wahrzunehmen und zu achten. Dafür ist eine diversitätssensible Präventionsarbeit notwendig.