Expert*innenkommentarzum Medium

Allgemeine Informationen zum Material: 

Prävention von sexueller Gewalt als Thema in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern    

 

 

Titel Prävention von sexueller Gewalt als Thema in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern
Autor*in o. Projektleitung Boysen, Katja; Hansen, Inga; Mausolf, Günter; Zeiher, Pia
Herausgeber*in o. Institution Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH); Landesseminar Berufliche Bildung, Kronshagen; Präventionsbüro PETZE
Erscheinungsjahr und Auflage 2015
Umfang 120 Seiten
Land Deutschland
Bestellmöglichkeit PETZE Onlineshop
Preis 15 €
Medienformat/Format Unterrichtsmaterial/Arbeitsblätter

Inhaltliche Beschreibung

 

Das Unterrichtsmaterial für angehende Erzieher*innen arbeitet viele Aspekte rund um das Thema sexualisierte Gewalt umfänglich und systematisch auf. Ziel des Materials ist es, Lehrkräfte an Fachschulen beim Unterrichten des Themas „Sexualisierte Gewalt“ zu unterstützen. Dafür steht in dem Buch umfangreiches Unterrichtsmaterial zu Verfügung, welches sich zusammensetzt aus informativen Handouts sowie konkreten Hinweisen und Vorschlägen für methodische Herangehensweisen. Das Material ist in verschiedene Module gegliedert, die jeweils einen thematischen Schwerpunkt setzen.

 

Jede einzelne Unterrichtseinheit verweist auf zur Verfügung stehendes Material, definiert den zeitlichen Umfang und beschreibt die Intention dieser Einheit. Das Arbeitsmaterial bietet eine Orientierung anhand der Beschreibung der einzelnen Schritte, z.B. Einstieg/ Durchführung/ Abschluss, Vortrag/ Auswertungsfragen. Zusätzlichen Hinweise für Lehrkräfte ergänzen die inhaltliche/ methodische Anleitung.

 

Im Rahmen des Modul 1 soll eine Hinführung der angehenden Erzieher*innen zum Thema sexualisierte Gewalt erfolgen. Dabei werden die Bereiche „Sprechen über Sexualität“, „Werte und Normen der Generationen“ und „eigene sexuelle Entwicklung“ in den Mittelpunkt gerückt.

In Modul 2 wird das Thema „Sexueller Missbrauch“ anhand der Aspekte „Einschätzung von (missbräuchlichen) Situationen“, „Opfererleben und Strategien der Täter*innen“ und „Risikofaktoren erkennen“ aufgegriffen. Ziel des Moduls ist es, angehende Erzieher*innen dabei zu unterstützen, eine Sensibilität für Betroffene und deren Bedürfnisse sowie eine präventive Erziehungshaltung zu entwickeln. Mit Blick auf das Thema „Prävention“ stehen Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, die die Themen „Grundlagen“, „Ziele“, „Haltung entwickeln“ und „Beispiele präventiver Arbeit“ behandeln sowie eine Wiederholung und Zusammenfassung des Gelernten ermöglichen.

 

Modul 3 wendet sich der Frage zu, welche Hilfestellungen bei widerfahrener sexualisierter Gewalt möglich sind. Dabei werden bestehende Hilfesysteme in den Blick genommen und die Rolle der Erzieher*innen im Hilfeprozess diskutiert. Mehrere Arbeitsblätter bieten Lehrkräften eine Anregung für die Bearbeitung der voran genannten Themen durch die angehenden Erzieher*innen. Eine Aufgabenstellung zu Textauszügen aus dem Präventionsmaterial „Katrins Geheimnis“ bietet am Ende des Moduls die Möglichkeit, das gewonnene Fachwissen bezogen auf Täter*innen, Opfererleben und Gesprächsführung zu wiederholen.

 

Modul 4 thematisiert „Sexuelle Grenzverletzungen unter Jugendlichen“. Anhand des Arbeitsmaterials kann eine differenzierte Auseinandersetzung mit vielfältigen Aspekten angeleitet werden. Das Material umfasst beispielsweise Bereiche wie „Gruppendruck und Cliquennormen“, „Token resistance“, „Compliance“, „Pornografie“ und „Sexismus/Geschlechterrollen“. Das Recht der Jugendlichen auf sexuelle Selbstbestimmung wird dabei als für die Präventionsarbeit grundlegend angesehen. Die angehenden Erzieher*innen sollen dazu angeleitet werden, sich im Kontakt mit den Jugendlichen zwischen den Polen „Schutz/Sicherheit“ und „sexuelle Freiheit der Jugendlichen“ zu verorten.

Expert*innenkommentar zur Eignung des Materials für die primärpräventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

 


Erzieher*innen kommt bei der Prävention und Intervention im Kontext von sexualisierter Gewalt eine wichtige Bedeutung zu. Eine gute Ausbildung kann eine unterstützende und präventive Arbeit in Kindertages- und Jugendeinrichtungen begünstigen. Diese Unterrichtsmaterialien leisten hierzu einen sehr guten Beitrag. 

 

Die relevanten Themen und Informationen (Betroffene, Tatpersonen, Täter*innenstrategien, eigene Haltung etc.). sind gut aufgearbeitet.

 

Mit den angehenden Erzieher*innen können diese Themen mit einer Vielfalt von hilfreichem didaktischem Material gut bearbeitet werden. In allen Modulen wird die Selbstreflexion, die Sensibilisierung zur Grenzwahrnehmung und die Klärung der eigenen Rolle angeregt. Anhand der durch das Material vermittelten Informationen wird sowohl den angehenden Erzieher*innen als auch den unterrichtenden Lehrkräften Orientierung geboten und Handlungskompetenz vermittelt.

 

Geht man davon aus, dass angehende Erzieher*innen überwiegend ältere Jugendliche und Heranwachsende sind, so werden mit Modul 4 zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Einerseits wird eine Auseinandersetzung mit der Lebenswelt der zukünftigen Klientel angeregt. Gleichzeitig kann eine Reflexion der eigenen Lebenswelt angeregt werden. Beide Aspekte sind wichtige Bausteine dabei, eine professionelle Haltung zu dem Thema „sexualisierte Gewalt“ zu entwickeln.

 

Lehrer*innen werden gut dabei unterstützt, die Auseinandersetzung mit wichtigen Aspekten zum Thema „sexualisierte Gewalt“ anzuleiten. Dies ist wichtig, da davon auszugehen ist, dass die Beschäftigung mit dem Thema für die meisten Lehrkräfte neu ist. Der Anregung von Selbstreflexion seitens der Lehrer*innen kommt dabei eine wichtige Bedeutung bei. Direkt zu Anfang werden die Lehrer*innen beispielsweise darauf hingewiesen, dass unter den Teilnehmer*innen Männer und Frauen sein werden, die selbst betroffen sind. Hier Belastungsmomente zu erkennen und darauf angemessen professionell zu reagieren, ist (Lern-)Aufgabe der Lehrkraft.

 

Auch wenn es positiv hervorzuheben ist, dass eine grundlegende Reflexion seitens der Lehrer*innen angeregt wird, ist es zu bemängeln, dass grundlegende Informationen beispielsweise zu wichtigen Rahmenbedingungen der Unterrichtseinheiten oder auch zu Vernetzungen mit Fachberatungsstellen etwas zu knapp ausfallen. Eine Handlungsempfehlung oder weiterführende Literaturtipps zum Umgang mit aufkommenden belastenden Gefühlen, hilfreiche Herangehensweisen und Formulierungen zur Stressminimierung, zum Umgang mit Triggern, Dissoziation und der Förderung von Psychohygiene, könnten Lehrer*innen und Schüler*innen an dieser Stelle mehr Sicherheit im Umgang mit Erfahrungen sexualisierter Gewalt geben. 

Wichtige Anmerkungen des Forschungsteams und Reflexionsleitfaden

Die Expert*innenkommentare bilden nicht die Vollständigkeit aller relevanten Aspekte ab und geben die Meinungen von Einzelpersonen wieder, die nicht die Meinung des Forschungsteams widerspiegeln müssen. Ausführliche Informationen zum Forschungsdesign finden Sie hier

 

Die Expert*innenkommentare unterscheiden sich in Länge und Gewichtung von allgemeinen und spezifischen Anmerkungen. Einige Kommentare beinhalten allgemeine kritische Anmerkungen zur Präventionsarbeit, mit Kindern und Jugendlichen als primäre Zielgruppe, die auch auf andere Materialien, im Kontext der Prävention sexualisierter Gewalt, übertragen werden können.

 

Bitte berücksichtigen Sie, dass aufgezeigte Lücken des Materials, ggfls. durch Zuhilfenahme von anderen Materialien, Modifizierungen sowie mündliche Zusatzinformationen etc. geschlossen werden können.

 

Hierfür steht Ihnen zur vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Material ein, im Forschungsprojekt entwickelter, kriteriengestützter Reflexionsleitfaden zur Verfügung. Den Reflexionsleitfaden finden Sie hier 

Informationen zum Kommentar

Die Inhaltsangaben und Expert*innenkommentare wurden von Tandems, bestehend aus Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis, vor dem Hintergrund ihrer fachlichen Perspektive vorgenommen und vom Forschungsteam redaktionell überarbeitet. mehr

Empowermentkritik

Empowerment ist ein bedeutsamer Ansatz, allerdings dürfen dabei reale Machtverhältnisse nicht ausgeblendet werden. Es besteht eine Diskrepanz zwischen subjektiv gestärkter Vorstellung von Selbstbestimmung und Wirkmächtigkeit auf der einen und realer Ohnmacht gegenüber Gewalthandlungen von Täter*innen auf der anderen Seite. Dies kann die Selbstzuschreibung von Verantwortung für die Tat und Schuldgefühle bei Opfern sexualisierter Gewalt massiv verstärken.

Diversity

Es ist wichtig Kinder und Jugendliche in ihrer Verschiedenheit und Gleichheit wahrzunehmen und zu achten. Dafür ist eine diversitätssensible Präventionsarbeit notwendig.