Expert*innenkommentarzum Medium

Allgemeine Informationen zum Material: 

Anna ist richtig wichtig. Ein Buch über sexuelle Gewalt in leichter Sprache.

 

 

Titel Anna ist richtig wichtig. Ein Buch über sexuelle Gewalt in leichter Sprache.
Autor*in o. Projektleitung Porzelt, Susanne; Schüßlbauer, Renate; Fein, Sylvia
Herausgeber*in o. Institution Wildwasser Würzburg e. V.
Erscheinungsjahr 2015, 2. Auflage (überarbeitet nach den aktuellen Richtlinien für Leichte Sprache)
Umfang 23 Seiten (36 Seiten Begleitmaterial)
Land Deutschland
Verlag mebes & noack, Köln
ISBN 927796808
Bestellmöglichkeit mebes&noack; Buchhandel
Preis 18,50 €
Medienformat/Format Jugendbuch in Leichter Sprache; Informationen und didaktisches Begleitmaterial für Eltern und Pädagog*innen

Inhaltliche Beschreibung

„Anna ist richtig wichtig“ ist ein in leichter Sprache verfasstes Buch, welches sexualisierte Gewalt im Nahfeld thematisiert. Anna, ein Mädchen mit Lernschwierigkeiten, erzählt zunächst von Situationen, in denen sie sich richtig wohl fühlt, zum Beispiel, wenn sie im Schwimmbad ist und die Sonne scheint oder sie ins Wasser springt. Schöne Gefühle spürt sie auch, wenn sie mit Peter zusammen ist, in den sie verliebt ist. Wütend wird sie jedoch, wenn ein Junge ihr auf den Po haut oder ihr auf den Busen guckt. Dann schämt sie sich und erzählt es ihrer Mutter. Am schlimmsten findet sie es aber, wenn ihr Onkel sie anfasst oder sie ihn anfassen soll. Anna erfährt durch ihn sexualisierte Gewalt. Sie sagt „Nein“, bekommt von Ihrem Onkel aber ein Schweigegebot auferlegt. Sie holt sich Hilfe bei ihrer Lehrerin und ihrer Mutter und macht die Erfahrung, dass sie Unterstützung findet.

 

Das beiliegende Begleitheft enthält Informationen zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt sowie methodische Anregungen für die Präventionsarbeit.

Expert*innenkommentar zur Eignung des Materials für die primärpräventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

 

Anna ist richtig wichtig ist ein Buch über sexualisierte Gewalt in leichter Sprache. Es wird in dem Buch mit Klarheit und eindeutiger Sprache gearbeitet und die Fachbegriffe des sexuellen Missbrauchs sind enthalten. Das Buch ist im Bereich von Lernbehinderung bis geistiger Behinderung sehr breit einsetzbar und für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Ressourcen geeignet.

 

Die vereinfachte Bilddarstellung sowie die deutliche und im Umfang sehr reduzierte Wortwahl sind mit Blick auf die Zielgruppe des Materials angemessen und werden dem Anspruch, ein Buch in „leichter Sprache“ zu sein, gerecht. Trotz der bewussten Reduktion von Sprache und Bildern wäre es wünschenswert gewesen mehr Diversitätsmerkmale abzubilden.

 

Es ist hervorzuheben, dass in dem Buch die unterschiedlichen Kategorien von grenzverletzendem Verhalten aufgegriffen und erklärt werden. Der Junge, der Anna auf den Po haut, macht sie wütend. Es wird ein deutlicher Unterschied herausgearbeitet zu der sexualisierten Gewalt durch den Onkel. Hier werden das Machtverhältnis sowie der Gewaltaspekt deutlich.

 

Weitere wichtige Themengebiete, wie gute und schlechte Gefühle und das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper, werden angesprochen. Hier ist positiv hervorzuheben, dass eine Bandbreite an Gefühlen angesprochen wird, die auch den Unterschied zwischen Berührung und sexuellen Grenzverletzungen deutlich macht. Die Themen „Hilfe holen“ und „Nein-Sagen“ werden ebenfalls behandelt. 

 

Es wäre sinnvoll zu thematisieren, dass „Hilfe holen“ nicht immer gleich funktioniert, dass Betroffene vielleicht Bagatellisierungen erleben oder Erwachsene den Hilferuf nicht wahrnehmen. Zumindest im Begleitheft sollte diese Erfahrung diskutiert werden, um Hilfestellungen zur Aufarbeitung anzubieten. 

 

In der Geschichte von Anna wird eine Lösung der Situation ersichtlich. Das enthaltende didaktische Begleitmaterial greift wichtige Themen auf und bietet Gesprächsanlässe und Übungen zur Vertiefung. Es bietet Hilfestellung beim Umgang mit Verdacht auf sexualisierte Gewalt und enthält Modulangebote für die vertiefende Arbeit. 

Wichtige Anmerkungen des Forschungsteams und Reflexionsleitfaden

 

Die Expert*innenkommentare bilden nicht die Vollständigkeit aller relevanten Aspekte ab und geben die Meinungen von Einzelpersonen wieder, die nicht die Meinung des Forschungsteams widerspiegeln müssen. Ausführliche Informationen zum Forschungsdesign finden Sie hier

 

Die Expert*innenkommentare unterscheiden sich in Länge und Gewichtung von allgemeinen und spezifischen Anmerkungen. Einige Kommentare beinhalten allgemeine kritische Anmerkungen zur Präventionsarbeit, mit Kindern und Jugendlichen als primäre Zielgruppe, die auch auf andere Materialien, im Kontext der Prävention sexualisierter Gewalt, übertragen werden können.

 

Bitte berücksichtigen Sie, dass aufgezeigte Lücken des Materials, ggfls. durch Zuhilfenahme von anderen Materialien, Modifizierungen sowie mündliche Zusatzinformationen etc. geschlossen werden können.

 

Hierfür steht Ihnen zur vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Material ein, im Forschungsprojekt entwickelter, kriteriengestützter Reflexionsleitfaden zur Verfügung. Den Reflexionsleitfaden finden Sie hier 

Informationen zum Kommentar

Die Inhaltsangaben und Expert*innenkommentare wurden von Tandems, bestehend aus Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis, vor dem Hintergrund ihrer fachlichen Perspektive vorgenommen und vom Forschungsteam redaktionell überarbeitet. mehr

Empowermentkritik

Empowerment ist ein bedeutsamer Ansatz, allerdings dürfen dabei reale Machtverhältnisse nicht ausgeblendet werden. Es besteht eine Diskrepanz zwischen subjektiv gestärkter Vorstellung von Selbstbestimmung und Wirkmächtigkeit auf der einen und realer Ohnmacht gegenüber Gewalthandlungen von Täter*innen auf der anderen Seite. Dies kann die Selbstzuschreibung von Verantwortung für die Tat und Schuldgefühle bei Opfern sexualisierter Gewalt massiv verstärken.

Diversity

Es ist wichtig Kinder und Jugendliche in ihrer Verschiedenheit und Gleichheit wahrzunehmen und zu achten. Dafür ist eine diversitätssensible Präventionsarbeit notwendig.