BMBF Projekt: Präventionsmaterialien

Die Inhalte des Bereichs "Präventionsmaterialien" sind im Rahmen des Forschungsprojekts "Präventionsmaterialien für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zum Themenbereich Sexualisierte Gewalt" an der Katholischen Hochschule NRW erarbeitet worden. Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen 01SR1501) gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei Frau Prof. Dr. Sarah Yvonne Brandl.

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Auswahl von Material

Präventionsthemen

In den Materialien zur Prävention finden sich immer wieder Angebote, die in der expliziten Ansprache des Themas sexualisierte Gewalt unklar bleiben. Im Zentrum der Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen steht eine alters- und diversitätssensible Aufklärung darüber, was sexualisierte Gewalt ist. Dazu gehören Informationen über mögliche Täter*innen, Täter*innenstrategien und die Botschaft, dass die Verantwortung für die Tat bei den Tatbegehenden liegt. Da betroffene Kinder/Jugendliche sexualisierte Gewalt in der Regel nicht selbst beenden können, sondern auf die Unterstützung und den Schutz Erwachsener angewiesen sind, benötigen sie Informationen über Ansprechpartner*innen und Hilfsangebote. Das Thema "Hilfe-Holen" gehört somit zu den zentralen Präventionsbausteinen. Dabei ist die Thematisierung möglicher Hemmschwellen, wie Scham, Gefühl von Mitschuld, Furcht etc. wichtig.

Neben diesen gefahrenthematisierenden Vermittlungszielen können weitere Präventionsziele genannt werden, die sich auf den Bereich des missbrauchsunspezifischen Empowerments beziehen. Hierzu gehört die Einbettung der Präventionsarbeit mit Kindern/Jugendlichen in die allgemeinpräventiven Bereiche der sexuellen Bildung, Förderung von Medienkompetenz, Genderkompetenz, emotionaler Kompetenz und Sozialkompetenz bzw. in den Bereich der ICH-Stärkung.

Quelle: Brandl, S.Y.; Vogelsang, V.; Bäumer, E.; Schneider, N. (2018): Präventionsmaterialien - Dimensionen dialogischer Qualität von primärpräventiver Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. In: Dekker, A. et al. (Hrsg.): Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten. Wiesbaden: Springer VS.

Bei der Auswahl von Präventionsmaterialien ist sowohl wichtig, WAS vermittelt wird als auch genau darauf zu achten, WIE sexualisierte Gewalt dargestellt/thematisiert wird...

  • Welche Präventionsbotschaften werden vermittelt?
  • Wie wirkt die sprachliche/bildliche Darstellungen auf Sie als Fachkraft?
  • Ist die bildliche/sprachliche Darstellung für Ihre Zielgruppe anschlussfähig? Knüpft die Darstellung an die Lebenswelt Ihrer Zielgruppe an?
  • Wird aufgrund fehlender Klarheit Verunsicherung erzeugt?
  • Können mögliche aufgezeigte Handlungsstrategien wie "Nein-Sagen" unrealistische Erwartungen erzeugen, überfordern bzw. ein Gefühl des Scheiterns und der Schuld verstärken?
  • Ermutigt das Material betroffene oder helfende Kinder/Jugendliche, sich Unterstützung zu holen?
  • Wie könnten Präventionsbotschaften auf Schüler*innen unterschiedlichen Alters, Entwicklungsstands, kulturellen Hintergrunds wirken?
  • Wie könnten die Präventionsbotschaften auf Schüler*innen wirken, die sexualisierte Gewalt erleben/erlebt haben?

Reflexionsleitfaden zur Auswahl von Präventionsmaterialien

Im Rahmen des BMBF-geförderten Forschungsprojektes zum Thema Präventionsmaterialien wird an der Katholischen Hochschule Münster ein Reflexionsleitfaden als Orientierungshilfe für die Auswahl von Präventionsmaterialien entwickelt. Der ausführliche Leitfaden sowie zahlreiche Rezensionen zu Präventionsmaterialien werden im Herbst 2018 an dieser Stelle veröffentlicht.

Hinweise zur Nutzung unserer Mediendatenbank

Bei den Altersempfehlungen in der Mediendatenbank handelt es sich überwiegend um Angaben aus den Buchbeschreibungen bzw. Empfehlungen der Verlage. Diese Empfehlungen sind ausschließlich als grobe Richtwerte zu verstehen. Daher ist es bei der Literaturauswahl wichtig, genau zu überprüfen, ob sich die Inhalte unter Berücksichtigung des Entwicklungsalters sowie der Erfahrungen und Kenntnisse der jeweiligen Zielgruppe für die praktische Arbeit eignen.

Die einzelnen Materialien sind verschiedenen Präventionsthemen zugeordnet. Ausschließlich ein Teil der Präventionsmaterialien thematisiert explizit sexualisierte Gewalt. Viele Medien fokussieren sich auf allgemeinpräventive Präventionsziele, wie z.B. Gefühlserziehung, Sexualerziehung, Medienkompetenzenförderung, etc. 

Ein Großteil der Präventionsmaterialien ist für die thematische Zuordnung vom Redaktionsteam vor Aufnahme in die Mediendatenbank durchgeschaut worden. Da jedoch leider nicht alle Präventionsmaterialien gesichtet werden konnten, beruht ein Teil der thematischen Zuordnungen auf den Buchangaben der Verlage.

Wird in Präventionsmaterialien sexualisierte Gewalt explizit thematisiert, kann es sich hierbei um verschiedene Formen sexualisierter Gewalt (z.B. sexualisierte Gewalt durch erwachsene bekannte oder unbekannte Personen, sexuelle Übergriffe von Kindern/Jugendlichen an Kindern/Jugendlichen, sexuelle Belästigung und unangenehme Berührungen gegen den eigenen Willen, Geschwisterinzest, Onlineviktimisierung) handeln. Auch Medien, die sexualisierte Gewalt in symbolischer Form darstellen, sind von uns in die Datenbank mit aufgenommen worden.

Kindermedien, die sexualisierte Gewalt explizit thematisieren, sollten nur gemeinsam mit einer erwachsenen Person angeschaut werden, die auch bereit ist, über die betreffende Situation zu sprechen. Auch in der Arbeit mit Jugendlichen, sollten Sie als Gesprächsperson zur Verfügung stehen, um über die medial dargestellten Situationen sexualisierter Gewalt sprechen zu können.

Voraussetzung für Prävention: Handlungswissen zur Intervention

Wenn Sie mit Kindern/Jugendlichen präventiv zum Thema sexualisierte Gewalt arbeiten möchten, sollte Ihnen bewusst sein, dass bereits betroffene Kinder/Jugendliche in Ihrer Zielgruppe sein könnten, die gegebenenfalls durch Triggerreize an traumatische Erlebnisse erinnert werden. Eine traumasensible Intervention erfordert psychotraumatologisches Grundwissen. Sie können für Betroffene ein wichtiger "Landeplatz" sein und Unterstützung in Form einer traumasensiblen Intervention initiieren.

Im Vorfeld der Arbeit mit Präventionsmaterialien wird daher dringend zur Erarbeitung von institutionellen Handlungsleitfäden, zur Klärung der eigenen Rolle im Interventionsprozess und zur Vernetzung mit Fachberatungsstellen geraten.

Qualität von Prävention

Präventionsangebote, die Kinder und Jugendliche als Zielgruppe adressieren, können ausschließlich als ein Baustein von Prävention verstanden werden, der einer Einbettung in ein umfassendes Präventionssetting bedarf. mehr über Qualitätsstandards von Prävention erfahren

Fachverlag für Präventionsmaterial

Beim Verlag Mebes&Noack finden Sie Sach- und Kinderbücher, Spiele und Materialien für die pädagogisch-therapeutische Praxis und die präventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.