Qualitätsstandards

1 Aufbau von Präventionsangeboten für Kinder und Jugendliche

Präventionsangebote für Kinder und Jugendliche sollten folgende Bestandteile beinhalten:

  • Schulung/Information der verantwortlichen Pädagog/innen
  • Institutionelle Vernetzung mit Fachberatungsstellen
    Da Prävention aufdeckende Wirkung haben kann, ist eine institutionelle Vernetzung und Zusammenarbeit mit Fachberatungsstellen dringend erforderlich.
  • Information der Eltern
    "Evaluationen zu Fortbildungsangeboten für Eltern belegen, dass Eltern dabei wichtige Informationen über die Prävention von sexuellem Missbrauch aufnehmen und sich eher befähigt fühlen, mit ihren Kindern über die Prävention von sexuellem Missbrauch zu sprechen. Zudem liegen auch positive Hinweise darauf vor, dass es nachfolgend tatsächlich innerfamiliär zu mehr Kommunikation mit Kindern über die Prävention von sexuellem Missbrauch kommt" (Kindler/Schmidt-Ndasi 2011, S. 68).
  • Präventive Arbeit mit Mädchen und Jungen

Die Auswahl von Präventionsprojekten orientiert sich am Alter und Entwicklungsstand der Zielgruppe. Für die verschiedenen Altersstufen liegen bereits eine Vielzahl von Präventionsprojekten vor, die von externen Anbieter/innen in Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen durchgeführt werden. Auch für den Bereich Förderschule sind spezielle Präventionsangebote entwickelt worden.

Eine Durchsicht von Studien zur Wirksamkeit kindzentrierter Präventionsmaßnahmen von Kindler/Schmidt-Ndasi (2011) konnte feststellen, dass "als Grobindikatoren der Qualität (...) die Dauer des Programms, eine für Kinder attraktive Aufbereitung der Inhalte, vorhandene Beteiligungs- und Handlungsmöglichkeiten für Kinder sowie die Einbeziehung des Elternhauses angesehen werden [können]" (S. 54). Präventionsprojekte sollten Kinder und Jugendliche ohne zu verängstigen darüber aufklären, was sexualisierte Gewalt ist. Darüber hinaus sollten sie über Täterstrategien informieren und Möglichkeiten der Unterstützung bzw. des Hilfe-holens aufzeigen.

Zentrale Voraussetzung für das präventive Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen ist eine altersangemessene Sexualerziehung.

Verantwortungsebene

Mit der Adressierung von Kindern und Jugendlichen darf keine Verantwortungszuschreibung an die junge Zielgruppe erfolgen. Kindern und Jugendlichen darf nicht suggeriert werden, sie seien selbst Schuld bzw. tragen eine Mitschuld, wenn sie sexuelle Gewalt erleben und sich nicht gewehrt haben (vgl. Andresen et al. 2015, S. 15).

2 Prävention als Erziehungshaltung

Präventionsprojekte mit Kindern und Jugendlichen sind ein wichtiger Baustein von Prävention, doch Prävention umfasst sehr viel mehr als ein einmaliges Projekt. Braun (2006) beschreibt Prävention als Erziehungshaltung, die im Alltag verankert ist und mit Kindern und Jugendlichen jeden Tag gelebt wird (vgl. S. 12). Kinder und Jugendliche benötigen stabile und verlässliche emotionale Unterstützung. Sie benötigen Bezugspersonen, die ihnen zuhören, ihnen Aufmerksamkeit schenken und ihre Sorgen und Probleme ernst nehmen. Eine präventive Erziehungshaltung basiert auf einem wertschätzenden und respektvollen Umgang mit Kindern und Jugendlichen.

Präventive Erziehungshaltung

Was zeichnet eine präventive Erziehungshaltung aus? Ausführlichere Informationen über das Thema erhalten Sie hier.

3 Einbettung kind- und jugendzentrierter Präventionsmaßnahmen in ein ganzheitliches Präventionsverständnis

Prävention muss an verschiedenen Bereichen ansetzen:

  • Verhinderung von sexualisierter Gewalt durch Täter_innenprävention,
  • Stärkung potenzieller Betroffener,
  • Vermindern und Auflösen institutioneller Risikofaktoren,
  • Abbau struktureller Bedingungen, die Gewalt begünstigen,
  • Stärkung und Sensibilisierung des sozialen Umfeldes von Kindern und Jugendlichen, um sexualisierte Gewalt zu erkennen und interventiv zu handeln.

(vgl. Andresen et al. 2015, S. 14; Kindler/Schmidt-Ndasi 2011, S. 37)

4 Entwicklung einer Kultur der Grenzachtung

Die Entwicklung einer Kultur der Grenzachtung bezieht alle Ebenen einer Institution mit ein (Kinder und Jugendliche, deren Eltern und die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen aus allen Hierarchie-Ebenen). Enders (2010) nennt verschiedene Bausteine für die Schaffung präventiver Strukturen in Einrichtungen (S. 1ff.):

  • Transparente Gestaltung institutioneller Strukturen und Regeln
  • Aufklärung und Austausch über Kinderrechte
  • Partizipation und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Diskussionsprozessen und Entscheidungen
  • Etablierung eines niedrigschwelligen Beschwerdemanagements mit Ansprechpartner/innen innerhalb und außerhalb der Einrichtung
  • Präventionsangebote für Schüler/innen und Eltern
  • Information und Fortbildung der Mitarbeiter/innen
  • Dienstanweisungen zur Wahrung einer fachlich adäquaten Distanz durch pädagogische Mitarbeiter/innen im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen
  • Festgelegte Verfahrensregeln zum Umgang mit Übergriffen
  • Verweise auf Qualitätsstandards und Dienstanweisungen in Bewerbungsverfahren/Arbeitsverträgen

Sie möchten mehr über die Entwicklung eines Schutzkonzeptes für Ihre Einrichtung erfahren? Ausführliche Informationen finden Sie auf der Internetseite http://sichere-orte-schaffen.de/

5 Qualitätsstandards für die Präventionsarbeit im Bereich sexualisierter Gewalt der DGfPI

Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention (ehemals Bundesverein zur Prävention von sexuellem Mißbrauch an Mädchen und Jungen e.V.) hat Qualitätsstandards für die Präventionsarbeit im Bereich der sexualisierten Gewalt an Mädchen und Jungen entwickelt. Die Qualitätskriterien beziehen sich auf die Bereiche Intervention, polizeiliche Prävention, Jugendhilfe, Beratung und Therapie, Elternbildung und Aus- und Fortbildung. Die Qualitätsstandards können Sie hier einsehen.

Selbstreflexion

Ausführliche informationen zur Selbstreflexion erhalten Sie hier

Literatur

Andresen, Sabine; Gade, Jan David; Grünewalt, Katharina (2015): Prävention sexueller Gewalt in der Grundschule. Erfahrungen, Überzeugungen und Wirkungen aus Sicht von Kindern, Eltern, Lehr- und Fachkräften. Weinheim/Basel: Beltz Juventa.

Braun, Gisela (2006): Prävention gegen sexuellen Missbrauch - praktisch und lebendig im Alltag mit Kindern. In: AJS-Forum, H.2, S. 12-13. Online.

Enders, Ursula (2010): Prävention von sexuellem Missbrauch in Institutionen. Bausteine präventiver Strukturen in Institutionen. Online.

Kindler, Heinz; Schmidt-Ndasi, Daniela (2011): Wirksamkeit von Maßnahmen zur Prävention und Intervention im Fall sexueller Gewalt gegen Kinder. Expertise im Rahmen des Projekts "Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen in Institutionen" Amyna e.V. - Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch/ DJI Deutsches Jugendinstitut e. V. Online.

Qualitätskriterien der DGfPI

Weitere Informationen zu Qualitätskriterien für die Prävention sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Jungen finden Sie auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachläsigung e.V. (DGfPI)

Qualitätsstandards für Selbstsicherheitstrainings

Wie erkenne ich gute Angebote? Wichtige Informationen finden Sie hier.

Wie wirkt Prävention? Was zeigen Studienergebnisse?

Aus Deutschland liegt eine Expertise zur Wirksamkeit von Prävention von Amyna e.V. (Hrsg.) vor.

Einen Literaturüberblick zu Studien, die sich mit der Wirkung schulbasierter Präventionsprogramme für Kinder beschäftigen, liegt von Fryda/Hulme (2015) vor. (School-Based Childhood Sexual Abuse Prevention Programs: An Integrative Review. In: Journal of School Nursing, 6/2015, Vol. 31 (3), S. 167-182.