Online-Beratung als Thema im Unterricht

Online-Beratung als Thema im Unterricht

Das Internet hat sich in den letzten Jahren zu einem selbstverständlichen Alltagsmedium entwickelt, dass für viele Menschen ein fester Bestandteil der alltäglichen Lebenswelt geworden ist. Gerade für Jugendliche ist es eine häufig genutzte Kommunikationsplattform und ein fester Teil der gelebten und erlebten Kultur. Die JIM Studie von 2009 belegt, dass das Internet von jungen Menschen als bevorzugte Informationsquelle bei persönlichen Problemen genannt wird. Es ist also eine geeignete Plattform für die Beratung von Kindern und Jugendlichen und weißt eine hohe Erreichbarkeit auf.

Gerade Jugendliche haben eine positive Einstellung zur Online-Beratung und sehen sie als Unterstützungsmöglichkeit oder gar als Ausweg aus ihren Problemen. Dabei scheint aber auch der Kontakt zu Gleichaltrigen in Form der Chat- und/oder Foren-Beratung eine gesonderte Rolle zu spielen, der in der ambulanten Beratung kaum zu erreichen ist. Viele Beratungsseiten bieten deshalb auch Peer-Beratungen an, in denen Gleichaltrige, begleitet von professionellen Beraterinnen und Beratern, die Anfragen übernehmen.

Die Niedrigschwelligkeit des Zugangs zur Online-Beratung, kann als große Chance für die Beratung via Computer gesehen werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Online-Settings rund um die Uhr verfügbar sind und die Jugendlichen sich nicht an Öffnungszeiten halten müssen. So kann auch in aktuellen Krisensituationen auf eine rasche Antwort gehofft werden.

Da die Userinnen und User ihre Identität hinter einem Pseudonym verstecken können, fällt es oft leichter, schwierige und schambesetzte Themen anzusprechen. Die Ratsuchenden haben außerdem die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie viel sie von sich preisgeben wollen und wie sie sich gegenüber dem Berater oder der Beraterin präsentieren wollen. Zudem können Beratungen jederzeit abgebrochen werden.  Es besteht also ein hohes Maß an Kontrolle durch die Userinnen und User.

Unterrichtsinhalte

Da Jugendliche bei einer als hilfreich erlebten Nutzung von Beratungsangeboten via Computer durchaus auf die Unterstützung von Professionellen angewiesen sind, liegt eine Thematisierung im Unterricht nahe. So kann auf Beratungsangebote aufmerksam gemacht werden und den Jugendlichen wird die Chance gegeben, sich mit ihren Problemen an Außenstehende zu wenden und Hilfe zu erhalten. Schülerinnen und Schüler können in Gruppen oder Einzelarbeit Online-Beratungsangebote einsehen und/oder vorstellen. Die richtige Nutzung kann, ergänzt durch die Lehrkraft, erläutert und besprochen werden. Weiter sollten auch Problematiken der Online-Beratung ein Thema in der Unterrichtseinheit sein.

Wichtig ist dabei vor allem das Fehlen von Gestik und Mimik. Diese kann zwar durch Emoticons, wie zum Beispiel Smileys vermindert, aber nicht ersetzt werden. Ferner können Userinnen und User, die nicht alle Emoticons verstehen und beherrschen, eine soziale Isolation erfahren. Kinder und Jugendliche mit einem geringen Bildungshintergrund sind in der Online-Beratung häufig unterrepräsentiert. Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mit einer langjährigen Interneterfahrung dominieren hingegen. Hier zeigt sich, dass Hilfe im Internet, trotz eines niedrigschwelligen Zugangs ungleich verteilt ist und nicht allen Jugendlichen gleichermaßen zur Verfügung steht. Auch von Seiten der Schulen besteht die Möglichkeit,dies zu verändern. Eine gezielte Stärkung der Kinder und Jugendlichen in Sachen Internet kann die Schülerinnen und Schüler dazu bringen, das Internet als Medium zu nutzen, dass ihnen, begleitet durch professionelle Berater oder Peers bei privaten Problemen hilft.